Chinas verschleppte Kinder

Jedes Jahr werden in gefährdeten Gegenden Chinas unzählige Kinder zu Opfern umherstreifender organisierter Banden. Während es in den vergangene Dekaden große ökonomische und soziale Fortschritte gab, bleibt die Zahl verschleppter Kinder alarmierend hoch. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die fragwürdige Ein-Kind-Politik des Landes und gravierende Einkommensunterschiede. Die Nachfrage ist groß: So sollen manche Kinder Frauen im Haushalt oder Bettler unterstützen, andere werden in die Prostitution oder Zwangsarbeit verkauft. In ländlichen Gegenden führen ein Mangel an öffentlicher und medialer Aufmerksamkeit und traditionelle Strukturen dazu, dass sich die Eltern des Problems erst bewusst werden, wenn es schon zu spät ist. Chinas Ministerium für öffentliche Sicherheit berichtet von 2.566 möglichen Kinderhandelsfällen im Jahr 2008.
Die Not der betroffenen Familien wird durch die Gleichgültigkeit des lokalen Polizeiapparates, lasche Gesetze und mangelnde Unterstützung verschärft. Der U.S. State Department Bericht aus dem Jahr 2009 bezeichnet Chinas Menschenhandelsgesetze als unzureichend. Betroffene Eltern werden aktiv: Sie reisen mit Transparenten und Flyern durchs Land, bilden telefonische Netzwerke und nutzen das Internet, um Politiker zur Gesetzesverschärfung aufzufordern. Viele Aktivisten ergreifen selbst die Initiative und geben sich Undercover als Online-Käufer aus, um nach erfolgreichem Vertragsabschluss die Polizei einzuschalten. UNICEF zufolge hat der Druck durch zerbrochene Familien, Medien, Internetbloggern und Aktivisten dazu geführt, das in 20 chinesischen Provinzen Antimenschenhandelsstrategien etabliert und Hilfsbudgets eingerichtet wurden. Anfang diesen Monats konnten 23 Kinder in einer landesweiten Polizeiaktion befreit werden. Fraglich bleibt jedoch weiterhin die psychosoziale Problematik der Reintegration in die betroffenen Familien. Quelle: reuters (englisch)

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