Kinderhandel in China: 22 Kinder geraubt und ins Ausland verkauft

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In China sind Mitte Mai 40 Personen festgenommen worden, die Mitglieder in einem Menschenhändlerring sein sollen – ihnen wird vorgeworfen, mindestens 22 Kinder aus den ärmeren Teilen des Landes geraubt und in reichere Regionen weiterverkauft zu haben. Ebenfalls Mitte Mai veröffentlichte die Zeitschrift „Caixin Century“ einen zwölfseitigen Bericht über Kinderhandel in und um die Stadt Shaoyang: zwischen den Jahren 2000 und 2005 sollen in der Region mindestens 16 Kinder durch die staatliche Geburtenkontrollbehörde ihren Eltern entrissen und zur Adoption im Ausland freigegeben worden sein. Die Kinder, die teilweise bei gerade einmal drei Monate alt waren, wurden ihren Eltern durch die Behörden weggenommen, weil die Eltern angeblich gegen die Ein-Kind-Politik der Volksrepublik China verstoßen hätten. Gegen eine Strafzahlung, deren Höhe willkürlich festgesetzt wurde und im Laufe der Jahre stetig anstieg, konnten die Eltern ihre meist legal geborenen Kinder auslösen. Da viele Eltern die Geldbuße in Höhe von 10.000 Yuan (etwa 1070 Euro; zum Vergleich 2003: 3000 Yuan Geldbuße, entspricht etwa 320 Euro) nicht bezahlen konnten, verschwanden die Kinder – sie wurden von Familien im Ausland, meist aus Amerika oder den Niederlanden, adoptiert. Diesen wurde erzählt, die leiblichen Eltern hätten die Kinder absichtlich ausgesetzt oder wären tot. Gerade die Waisenhäuser machten ein gutes Geschäft mit den Kindern: an die Behörden mussten sie zwar etwa 1000 Yuan (107 Euro) für jedes Kind bezahlen, der Deal lohnte sich jedoch durch die Einnahmen aus dem Adoptionsverfahren. Erst gegen Zahlung von Gebühren in Höhe von 3000 US-Dollar oder hohe Geldspenden an das Waisenhaus konnten die meist amerikanischen Adoptiveltern die Kinder mitnehmen. Bereits 2006 wurde ein Fall bekannt, in dem drei Waisenhäuser jeweils mehrere hundert Babys von Kinderhändlern gekauft und an Adoptiveltern weiterverkauft hatten – 23 Personen wurden verurteilt. Dennoch boomt das Geschäft mit der Adoption chinesischer Kinder: seit 1992 wurden über 100.000 Kinder an ausländische Adoptiveltern vermittelt, allein 70.000 davon in die USA; die meisten europäischen Adoptiveltern finden sich in Spanien mit ca. 10.000 Adoptionen. Deutschland ist weniger betroffen, da sich Berlin und Peking bisher nur schwer auf ein Verfahren zur Anerkennung von Adoptionen chinesischer Kinder einigen konnten. Die chinesischen Behörden haben angekündigt den Vorwürfen nachzugehen.

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Über bernadette / EarthLink

Nach meinem Studium an der Universität Regensburg (Bachelor in Politikwissenschaft mit den Nebenfächern Öffentliches Recht und VWL) habe ich Land und Leute in Australien kennen gelernt und bin jetzt für ein zweimonatiges Praktikum bei EarthLink gelandet. Hier schreibe ich hauptsächlich Einträge für den Blog der Kampagne "Aktiv gegen Kinderarbeit" und beteilige mich am Projekt "Drogen Macht Welt Schmerz".
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