Vietnam: Kindersklaven aus Bekleidungsfabrik gerettet

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Die vietnamesische Polizei hat in Zusammenarbeit mit der vietnamesischen NGO Blue Dragon eine Razzia in einer Bekleidungsfabrik in HO Chi Minh durchgeführt. Hierbei fanden sie insgesamt 23 Kinder und junge Erwachsene, die dort als Arbeitssklaven gehalten wurden. Die Opfer sind zwischen 10 und 21 Jahren alt und gehören der Kho Mu Minderheit aus der Dien Bien Provinz im Nordwesten Vietnams an. Einige von ihnen mussten schon seit zwei Jahren in der Textilfabrik arbeiten. Die erschöpften Kinder sind mittlerweile wieder auf dem Weg in ihre Heimatdörfer. Laut Beteiligten waren alle sehr froh, wieder zu ihren Familien zurückkehren zu können. Wie zum Beispiel der zwölfjährige Trang: „Ich hatte solches Heimweh in Saigon“. Er wurde aus einem kleinen Dorf mit 35 Haushalten nach Saigon gebracht, wo er Stoffe zuschneiden musste und regelmäßige geschlagen wurde. Er konnte nicht sagen, wie viele Stunden täglich er arbeiten musste, da er die Uhr nicht lesen kann. Sein einziger Wunsch war, zu seinen Eltern und sechs jüngeren Brüdern zurückzukehren.

Ta Ngoc Van, ein Anwalt von Blue Dragon, bereiste die entlegenen Dörfer von Da Lech und Co Nghiu eineWoche zuvor, um einem Hinweis eines Kontaktmanns des Sicherheitsministeriums über das Verschwinden von Kindern nachzugehen. Hierbei traf er auf Familien, die ihre Kinder seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hatten. Kinderhändler waren auf sie zugegangen und hätten ihnen versprochen, dass ihre Kinder gut bezahlte, angenehme Arbeit bekommen hätten und in Ho Chi Minh wären. Nachdem sie fast kein Geld erhalten haben und keinerlei Kontakt aufnehmen konnten waren die Familien am Boden zerstört. Durch die Ermittlungen von Blue Dragon und vietnamesischen Offiziellen wurden die Kinder gefunden. Michael Brosowski, der australische Gründer der NGO gab an, dass die lokalen Behörden sehr hart gegen Kinderhandel kämpfen würden. Die Gesetzgebung in Vietnam müsste allerdings reformiert werden.

Die vietnamesische Regierung bekämpft hauptsächlich den grenzüberschreitenden Menschenhandel zu Zwecken der Prostitution. Inländischer Menschenhandel, hauptsächlich für Zwangsarbeit, ist schwerer zu bestimmen und zu verfolgen. Laut dem Menschenhandelsbericht der amerikanischen Regierung wurde im letzten Jahr niemand in Vietnam wegen Menschenhandels verurteilt. Brosowski meint, dass der Handel für Zwangsarbeit nicht so öffentlichkeitswirksam wie der Sexhandel sei, obwohl er nicht weniger grausam wäre. Da die Kinder ebenfalls Jahre ihres Lebens verlören. Laut dem Bericht der US-Regierung ist die Gesetzgebung in Vietnam nicht geeignet, die Identifikation und Verfolgung von Menschenhandel zu unterstützen. Da der interne Menschenhandel schwer verfolgt werden kann, werden diese Fälle manchmal unter dem Arbeitsgesetz abgehandelt. Noch gibt es keinen Plan, dieses Problem zu bekämpfen.

Link zum Artikel (englisch)

Trafficking in Persons Report (englisch)

Über Heiko / EarthLink

Ich mache momentan im Rahmen meines Sozialwissenschaftsstudium ein 2-monatiges Praktikum bei EarthLink. Ich befasse mich hauptsächlich mit dem Schreiben von Blog-Einträgen für aktiv-gegen-kinderarbeit.de und der Recherche für Facing Finance.
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2 Antworten zu Vietnam: Kindersklaven aus Bekleidungsfabrik gerettet

  1. Werner sagt:

    Hallo Heiko,

    ich habe Ihren Bericht “Vietnam: Kindersklaven aus Bekleidungsfabrik gerettet” gelesen. Mein Problem: Die Tochter der Tante meiner vietnamesischen Frau ist 15 Jahre alt und seit dem 19.Mail 2011 wie vom Erdboden verschwunden. Sie ist morgens zur Schule gefahren und nicht mehr zurück nach Hause gekommen. Ihre Mutter ist ganz verzweifelt und hat Sie schon überall gesucht. Erst gestern hatten wir es erfahren und sind schockiert da wir das Mädchen kennen. Wir vermuten dass Sie möglicherweise Opfer eines Kindeshandels geworden ist? Sie hatten von der Blue Dragon und dem Anwalt Ta Ngoc Van berichtet der sich hier einsetzt und Hilfe leistet. Was kann man hier tun? Welche Möglichkeiten gibt es das Mädchen zu finden?

    Viele Grüße
    Werner

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