Kinderpiraten

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Die gehäuften Fälle von Piraterie am Horn von Afrika haben ein Problem zum Vorschein gebracht, das bisher kaum thematisiert wurde: Kinderpiraten. Gerade in dieser Region, wo mehr als die Hälfte der Population jünger als 18 Jahre alt ist, werden häufig Kinderpiraten aufgegriffen. So waren ein Drittel der in letzter Zeit ergriffenen Piraten 14 oder 15 Jahre alt.

Nach der UN-Kinderrechtskonvention ist jede Person unter 18 Jahren als Kind zu definieren. Die ILO-Kernarbeitsnorm 182 bezeichnet den Einsatz von Kindern in kriminellen Aktivitäten als eine der schlimmsten Formen von Kinderarbeit. Viele dieser Kinder werden zur Piraterie gezwungen und haben keine anderen Möglichkeiten, ihr Überleben zu finanzieren. Für westliche Regierungen stellt das ein großes rechtliches Problem dar. Werden der Piraterie verdächtigte Kinder verhaftet, so müssen sie nach dem nationalen Recht des jeweiligen Staates behandelt und verurteilt werden, also gesondert von erwachsenen Straftätern. Die Kinder auf See wieder freizulassen ist keine Lösung. Denn das würde heißen, die Kinder erneut der schlimmsten Form der Kinderarbeit auszusetzen, was nach internationalem Recht verboten ist.

Die Problematik erinnert stark an die der Kindersoldaten. Für die Drahtzieher der Piraterie sind die Kinder eine menschliche Ressource, die sie leicht indoktrinieren und bewaffnen können. Die Kinder sind angstfrei, billig und leicht zu ersetzen.

Doch im Kampf gegen Kinderpiraten gibt es Möglichkeiten, die im Kampf gegen Kindersoldaten nicht vorhanden sind. Kindersoldaten oder der Einsatz von Kindern zu kriminellen Aktivitäten wurde bisher als nationales Problem des jeweiligen Landes gehandhabt. Piraterie und damit auch die Kinderpiraten sind dagegen ein internationales Problem, was Vorteile für einen Lösungsversuch mit sich bringt. Zum einen entsteht daraus eine legale Berechtigung, die Kinder aus den Piratengruppen zu holen und sie in Schulen und Programme zu etablieren, die von der internationalen Gemeinschaft gefördert werden. Zusätzlich eröffnet es eine Möglichkeit, den Finanzieren der Piraterie nachzugehen. Denn momentan kann zwar gegen Piraten auf hoher See vorgegangen werden, doch gegen die Unterstützer der Piraterie gibt es kaum rechtliche Mittel. Der Einsatz von Kindern in bewaffneten Konflikten jedoch macht diese Finanziers potentiell angreifbar. Langfristig könnte ein erfolgreicher Kampf gegen die Akteure hinter den Kinderpiraten auch einen großen Schritt im Kampf gegen die Piraterie im Allgemeinen bedeuten.

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