KONY2012 – Wie eine Kampagne die Internetgemeinschaft bewegt

Derzeit ist eine weltweite Internetkampagne mit ambitioniertem Ziel im Umlauf. Bis zum Ablauf des Jahres 2012 soll der ugandische Rebellenführer und Kriegsverbrecher Joseph Kony aufgefunden und zur Verantwortung gezogen werden. Ihm wird vorgeworfen, im Laufe der letzen 26 Jahre für die Verschleppung von mehr als 30.000 Kindern und Jugendlichen verantwortlich zu sein. Diese wurden als Kindersoldaten für die ugandische Kindermiliz Lord’s Resistance Army (LRA) gezwungen, Grausamkeiten wie Vergewaltigungen, Entführungen und Ermordung zu begehen. Aufgrund dessen wurde 2005 durch den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (ICC) Haftbefehl gegen Kony erlassen.

Das Video der Internetkampagne möchte breites Bewusstsein in der Gesellschaft schaffen und Kony weltweit als Kriegsverbrecher bekannt machen. Langfristig zielt das Projekt darauf ab, die ugandische Armee bei der Suche nach Kony zu unterstützen und die Entwaffnung der LRA zu erreichen. Einen Höhepunkt soll die Kampagne in der Nacht auf den 20. April 2012 erreichen: Dann sollen weltweit Plakate und Aufkleber an sichtbaren Plätzen angebracht werden, um möglichst viele Unterstützer für die Aktion zu gewinnen.

Initiator der medialen Aktion ist der US-amerikanische Filmemacher Jason Russel und die von ihm ins Leben gerufene Organisation Invisible Children Inc. Während einer Afrikareise im Jahr 2003 lernte Russel den Jungen Jacob kennen, der ihm von seinem Schicksal und der grausamen Ermordung seines Bruders durch die LRA berichtete. Schockiert von den Erzählungen und Erlebnissen während seines Aufenthaltes nahm sich Russel vor, die Öffentlichkeit auf die Missstände und das Elend der Kinder aufmerksam zu machen. Allerdings finden sich mittlerweile auch kritische Stimmen dazu im Netz.1)2)3) Im Zentrum der Kritik steht vor allem der Vorwurf, die Komplexität der politischen Lage in Uganda zu sehr auf die Person Kony zu reduzieren.4)

Bisher zeugt die Kampagne von einzigartigem medialen Ausmaß: Innerhalb von nur zwei Tagen wurde das knapp halbstündige Video auf YouTube und Vimeo über zehn Millionen Mal angeklickt und weiterverbreitet. Dies führte unter anderem zu Störungen im sozialen Netzwerk Facebook, wo sich die Aktion in Windeseile verbreitete.

Problematisch ist vor allem die Tatsache, dass der Aufenthaltsort von Joseph Kony unbekannt ist. Der Einflussbereich der LRA ist mittlerweile nicht mehr auf Uganda beschränkt, sondern hat sich auf weitere afrikanische Staaten ausgeweitet, darunter die Demokratische Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik und der noch junge Staat Südsudan.

Für die Aktion wurden prominente Unterstützer und Multiplikatoren mobilisiert. Unter den 20 kulturellen Persönlichkeiten befinden sich unter anderem Lady Gaga, Angelina Jolie und Mark Zuckerberg; zu den 12 politischen Handlungsträgern zählen Ban Ki Moon, George W. Bush und Bill Clinton.

Bereits in der Vergangenheit erzielte Invisible Children Inc. Erfolge im Kampf gegen Joseph Kony. So gelang es durch gezielte Informationsarbeit, mehrere tausend Unterstützer für das Projekt zu gewinnen. Als politischen Erfolg kann die Entsendung einer US-amerikanischen Militäreinheit durch Barack Obama, zur Unterstützung der ugandischen Armee im Jahr 2010, gezählt werden.

Bisher berichteten wir auf unserem Blog bereits mehrfach über Joseph Kony, die LRA, die Arbeit von Invisible Children Inc., deren Erfolge und die Situation der Kindersoldaten in Uganda.

 

Mehr zur Aktion finden sie auf der offiziellen Aktionsseite:

  1. Die Zeit: KONY 2012: Mit Social Media gegen den Völkermörder? (8. März 2012) []
  2. Foreign Policy, Guest post: Joseph Kony is not in Uganda (and other complicated things) (8. März 2012, auf Englisch) []
  3. Spreeblick: KONY2012 und Invisible Children (8. März 2012) []
  4.  Originalpeople.org: Stop Kony, yes. But don’t stop asking questions; Artikel vom 15.11.12 []
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2 Responses to KONY2012 – Wie eine Kampagne die Internetgemeinschaft bewegt

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