Jagd auf Kriegsverbrecher Joseph Kony geht weiter

Er ist einer der derzeit meistgesuchten Verbrecher weltweit. Seit sechs Monaten jagen US-Eliteeinheiten den ugandischen Rebellenführer Joseph Kony – bislang ohne Erfolg.

Im März bescherte ein millionenfach angeklicktes Internet-Video der Kinderhilfsorganisation Invisible Children dem Kriegsverbrecher weltweite Aufmerksamkeit. Das Video, das Konys gewaltsame Geschichte beleuchtet, fand weite Verbreitung im Internet und lenkte die globale Aufmerksamkeit auf die Anstrengung, ihn zu finden. Langfristiges Ziel des Videos und der damit verbundenen Kampagne war es, die ugandische Armee bei ihrer Suche nach Joseph Kony zu unterstützen und die Entwaffnung der „Lord’s Resistance Army“ (LRA) zu erreichen.1)

In ihrem Kampf, der sich vor allem gegen die Zivilbevölkerung richtet, verbreitet Konys LRA durch ihre unglaubliche Brutalität bereits seit vielen Jahren Angst und Schrecken. Mitglieder der LRA plündern, foltern, morden und vergewaltigen scheinbar wahllos. Kinder werden entführt, zu Kindersoldaten ausgebildet und zu schrecklichen Taten gezwungen. Manche, vor allem viele Mädchen, werden als Sex-Sklaven missbraucht.

Bereits im Oktober 2011 beschloss US-Präsident Barack Obama, amerikanische Spezialkräfte nach Uganda zu schicken, um Kony aufzuspüren. Keine einfache Aufgabe, denn der Anführer der LRA versteckt sich in einer schwer zugänglichen Region im Dschungel Zentralafrikas. Amerikanische und afrikanische Spezialkräfte vereinten ihre Kräfte in der Suche nach Kony. Sie durchkämmen derzeit die Grenzregion von Uganda, Kongo, Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik, in der Kony vermutet wird. Neusten Geheimdienstinformationen zufolge habe er sich zuletzt im südsudanesischen Bundesstaat Bahr al Ghazal aufgehalten.

Doch die Suche gestaltet sich schwierig und die Hightech-Ausrüstung der Amerikaner ist kaum von Nutzen. Die LRA hat ihr Verhalten auf die neue Situation angepasst. In kleinen Splittergruppen verstecken sich Konys Kämpfer im Busch. Sie greifen hauptsächlich nachts an und laufen neben Felsen oder Bächen um keine Spuren zu hinterlassen. Der Gebrauch von Satellitentelefonen und Funkgeräten wurde außerdem eingestellt. Stattdessen sind die Auskünfte von Beobachtern und Augenzeugen der aussichtsreichste Weg, Joseph Kony zu finden. Durch die großen Entfernungen und das schlecht ausgebaute Straßen- und Kommunikationsnetz liegt aber meist sehr viel Zeit zwischen den Vorfällen und den Hinweisen. Berichte über Sichtungen oder gar erneute Gräueltaten der LRA treffen oft erst nach Tagen oder Wochen ein, wenn der Zeitpunkt zum erfolgreichen Eingriff bereits verstrichen ist.2)

Doch trotz der schlechten Voraussetzungen im Dschungel sind Konys Verfolger zuversichtlich, was die Erfolge der Mission betrifft. Der Aufenthaltsort Joseph Konys konnte bereits deutlich eingegrenzt werden. Auch hat die Anzahl der Entführungen und Überfälle der LRA nach Angaben des Militärs bereits abgenommen. Die Truppen der LRA sind oftmals nicht mehr in der Lage Geiseln, vor allem Frauen und Kinder, auf der Flucht vor ihren Verfolgern mitzunehmen. Viele von ihnen wurden in den letzten Monaten zurückgelassen und konnten in Sicherheit gebracht werden.

Ob der Rebellenchef in naher Zukunft gefunden werden kann bleibt zu hoffen. General Carter Ham, Kommandeur der US-Kräfte in Afrika, erinnert: “Es hat zehn Jahre gedauert, bis Osama Bin Laden gefunden und getötet wurde – obwohl die USA sich voll auf ihn konzentriert haben”. Die Erwartungen seien viel zu hoch. Realistisch gesehen könne die Suche nach Kony und seinen Soldaten noch Monate, wenn nicht sogar Jahre in Anspruch nehmen.3)

  1. Link zum Artikel von EarthLink []
  2. Link zum Artikel des Wall Street Journal []
  3. Link zum Artikel von Spiegel Online []

Über karen / earthlink

Bachelor of Arts in Amerikanistik und Wirtschaft. Praktikantin bei EarthLink e.V.
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