Die Krabbenpuler von Samut Sakhon

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Karpfen ist out. Immer seltener liegt der Speisefisch auf Deutschlands Tellern. Allenfalls an Weihnachten wird noch zum Klassiker gegriffen. Nachgefragt werden stattdessen immer mehr Garnelen. Einst nur in der Haute Cuisine zum Champagner gereicht, steht der Krebs mittlerweile selbst in deutschen Gefängnissen bis zu 20 Mal jährlich auf dem Speiseplan.1)Insgesamt hat sich die Nachfrage in den letzten 10 Jahren mehr als verdreifacht.2)

75% der Shrimps stammen aus Asien, in erster Linie aus China und Thailand.3) Ein vergangene Woche von „The Ecologist“ veröffentlichter Report gibt Einblick in die Fischindustrie Thailands. Demnach arbeiten bis zu 250.000 birmanische Migranten, darunter viele Kinder, auf thailändischen Fischkuttern und in Shrimpfabriken.4)Das Versprechen von sicheren Arbeitsplätzen und hohen Löhnen lässt viele horrende Schmuggelgebühren an professionelle Menschenhändler bezahlen. Oft erwartet sie nicht der erhoffte Traumjob sondern 18-Stunden-Schichten bei geringster Bezahlung.5) Vor allem zum Krabbenpulen werden auch Kinder eingesetzt. Sie habe sieben Tage die Woche gearbeitet, berichtet die 16-jährige Thazin Mon aus Samut Sakhon, einer Provinz an der nördlichen Küste des Golfs von Thailand. Man habe sie geschlagen, getreten und mit Vergewaltigung gedroht, wenn sie um eine Pause für ihre angeschwollenen Hände gebeten habe. Aus Angst wieder nach Birma abgeschoben zu werden, sehen sich viele Minderjährige gezwungen auch solche Misshandlungen zu tolerieren.6)

Um ins Ausland exportieren zu dürfen müssen die Krabbenproduzenten Mitglied der TFFA (Thai Frozen Foods Association) sein. Diese verlangt soziale Mindeststandards und führt auch Inspektionen durch. Bei Missachtung droht der Ausschluss aus dem Verband. Dazu ist es allerdings noch nie gekommen. „Es sei zu 100% sichergestellt, dass es bei TFFA-Konzernen zu keinen arbeitsrechtlichen Verstößen kommt“, behauptet ein Sprecher. Unabhängige Kontrollen Dritter sind angenehmerweise untersagt. Mittels mit versteckten Kameras ausgestatteter Arbeiter gelang es „The Ecologist“ Arbeitsrechtsverletzungen nachzuweisen. In einer Shrimpfabrik wurden vier Kinder gefunden, knapp die Hälfte der Arbeiter verfügt über keine Arbeitserlaubnis. Das ist nicht unüblich. Ein Viertel der Fabriken sind nicht offiziell registriert. Hier erfolgen nicht einmal die TFFA-Kontrollen. Traumhafte Bedingungen für Menschenschinder.7)

Angesichts solcher Zustände sollte manch einer vielleicht auch dem heimischen Karpfen mal wieder eine Chance einräumen. Greenpeace und WWF loben seine umweltverträgliche Zucht.8) Und auch Gourmets weiß “Cyprinus carpio” mit seinem „nussigen“ Aroma zu überzeugen.

  1. Taz – Gefährlicher Genuss []
  2. Zeit – Fatale Lust auf Shrimps []
  3. Wikipedia – Garnele []
  4. The Ecologist – Blood fish: why prawns should be blacklisted from all our shopping baskets []
  5. The Ecologist – The slavery behind our seafood []
  6. The Washington Post – In a world hungry for cheap shrimp, migrants labor overtime in Thai sheds []
  7. PBS – Thai Shrimp Industry Exploits Workers to Whet Global Appetite for Cheap Shrimp – nicht mehr verfügbar []
  8. WWF – WWF Einkaufsratgeber Fische und Meeresfrüchte 2012 []
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