Die Schuhputzer von Äthiopien

Bild: © (CC BY 2.0) -

In Äthiopien sieht man an fast jeder Straßenecke Kinder, die mit Schuheputzen Geld verdienen. Für manche scheint das Bild vom staubigen Afrika nicht mit professioneller Schuhreinigung zusammen zu passen. Damit liegt man jedoch vollkommen falsch. In Äthiopien beispielsweise legen die Menschen sehr großen Wert auf saubere und glänzende Schuhe. Man kann zu jeder Tageszeit und an fast allen Ecken der Hauptstadt Kinder sehen, die Schuhe polieren.

„Listros“ werden diese genannt. Wörtlich übersetzt bedeutet das soviel wie „glänzend machen“. Für viele junge Äthiopier ist diese Nebentätigkeit vor allem eine Chance, sich eine Schulbildung zu finanzieren und somit in eine bessere Zukunft zu investieren. „Wer als Listro gearbeitet hat, kann auch das Land führen“, meint der 19-Jährige Abdurahman Kassim.1)

Oder zumindest so erfolgreich wie Dawit Shanko werden. Er ist nach Berlin ausgewandert und hat dort einen Verein für die Kinder gegründet. Der Verein „Listros – A Dream in a Box“  wurde aus der Motivation heraus gegründet, den Menschen in Europa, vor allem den jungen, den Kontinent Afrika näher zu bringen. Er will das Klischee des hoffnungslosen Kontinents verändern und mit Hilfe der jungen Schuhputzer zeigen, wie viel Eigeninitiative die Menschen in Afrika bereits zeigen. Sie arbeiten unter Bedingungen, die viele Europäer abschrecken und aufgeben lassen würden. Dawit Shanko war einst selber Schuhputzer in der Hauptstadt Äthiopiens Addis Abeba. Er berichtet, dass es sein Selbstbewusstsein ungemein gestärkt hat, sich selber seine Schuluniform finanzieren zu können und sich Wünsche, wenn auch nur kleine wie zum Beispiel einen Stift, selber erfüllen zu können.

Ungefähr 39.000 Jugendliche arbeiten auf den Straßen Addis Abeba laut Angaben der Polizei. Sie arbeiten nicht nur als Schuhputzer, sondern auch als Autowäscher, Bauchladenverkäufer und Parkwächter. „Sie werden von der Gesellschaft wie Dreck angesehen oder wie Kriminelle“, so Shanko. Er weiß jedoch auch, dass die Listros zum Teil dazu beitragen können, das Land aus seiner Armut zu befreien.2)

Schätzungen zufolge müssen ca. 40% der Schulkinder nebenbei arbeiten.“ Weil wir arbeiten gehen, gehen wir satt in die Schule“ sagt der 13-Jährige Tamrad Kadwas. Seine Existenzgrundlage befindet sich in der so genannten „Listros-Box“. In dieser befinden sich Schuhcreme, Bürsten, Tücher. Die Box benutzt er als Hocker, wenn er seine Arbeit ausübt. In der Box bewahren die Kinder aber auch etwas anderes auf: Ihre Träume. Sie träumen davon, im Leben eine Wahl zu haben oder eine Familie gründen zu können und diese zu ernähren. Einige Kinder sagen selbstbewusst: “Heute sind wir Listros, morgen die Ernährer der Nation.“3)

  1. Gebende Hände – Mit Schuhe putzen die Schulgebühren zahlen []
  2. Listros- Initiatoren []
  3. Ärztezeitung – Traum in der Box []

Über madeleine / earthlink

macht ihren Bundesfreiwilligen Dienst bei uns
Dieser Beitrag wurde unter Internationales abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.