Usbekistan: Kinderarbeit auf Baumwollplantagen ist immer noch vorhanden

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Im Herbst müssen alle usbekischen Kinder auf Baumwollplantagen arbeiten, so war es lange Tradition. Es war eine Art von staatlich organisierter und fast kostenloser Zwangsarbeit, die hohen Profit für das autoritäre Regime garantierte. Jetzt ist Kinderarbeit auf usbekischen Baumwollplantagen verboten. Usbekistan hat internationale ILO-Konventionen unterschrieben, und Präsident Karimov samt Regierungschef Mirsijaev hat sich ausdrücklich gegen Kinderarbeit auf Baumwollplantagen ausgesprochen.

Es schient, dass dieses Verbot die Jahresernte nicht beeinflusst hat. Ganz im Gegenteil: Etwa 3 Millionen Tonnen Bauwolle wurden dieses Jahr gesammelt, 90 % davon von höchster Qualität1).  Präsident Karimow sprach in seiner Rede über einen Sieg des Volkes und gratulierte allen Arbeitern. Nun kommt die Frage auf: Welchen Preis hat das Volk für diesen Sieg gezahlt?

Vertreter der Menschenrechtsorganisationen weisen darauf hin, dass die Zwangsarbeit auf usbekischen Baumwollfeldern immer noch nicht verschwunden ist2). Immer wieder werden Lehrer, Studenten, Ärzte und Krankenschwestern auf die Felder geschickt. Sie arbeiten viele Stunden unter unmenschlichen Bedingungen. Nicht alle überleben diese Arbeit: So starb zum Beispiel ein 17-jähriger Student der Technischen Universität Taschkent an einem Herzinfarkt direkt auf einem Feld im Bezirk Dustlik. Ein anderer Student der Termez Universität wurde bis zum Tod geschlagen, weil er das Tagesspensum von 50 Kilo Baumwolle nicht geschafft hatte. Wer nicht arbeiten will, soll zahlen: 400 000 Som (etwa 160 Dollar) kostet die Befreiung von Arbeit. Eine enorme Summe für die einfachen Menschen in Usbekistan3)

Auch Kinderarbeit ist nicht verschwunden, sie ist nur nicht mehr so sichtbar wie früher. Es wurde über viele Fälle berichtet, bei denen Schüler im Alter zwischen 11 und 17 Jahren auf Baumwollfeldern in Regionen wie Yakkabog, Shakhrisabz, Kamashi arbeiten mussten4). Der einzige Unterschied zu den letzten Jahren besteht darin, dass die Schüler jetzt nicht mehr die ganze Woche lang arbeiten sollen, sondern nur noch freitags, samstags und sonntags. Außerdem haben einige Schulen im Bezirk Adjan eine neue Strategie eingeführt: Sie schließen für die „Herbstferien“ schon Mitte Oktober, obwohl die Ferien offiziell erst Anfang November starten. Natürlich wurden diese so genannte „Ferien“ nicht mit Faulenzen verbracht: Die Schüler  haben Baumwolle gepflückt.

Auch die Schüler, die selbst keine Baumwolle ernten sollten, sind betroffen: In vielen Schulen war die Zahl der Unterrichtsstunden stark reduziert. Manchmal hatten die Schüler nur zwei Unterrichtsstunden pro Tag. Der Grund dafür ist einfach: Die Lehrer mussten Baumwolle ernten. „Unsere Schule bekommt die Befehle von der lokalen Regierung. Jeden Montag, Samstag und Sonntag sollen alle Lehrer Bauwolle pflücken“, erzählt etwa ein Lehrer aus dem Bezirk Djizzakh5). Schätzungsweise sollen ca. 60 % aller Lehrer in Usbekistan auf Baumwollplantagen arbeiten6).

„Hinter Kinderarbeit in  Usbekistan  steckt ein System“, sagt Umida Niyazova des Usbekisch-Deutschen Forums für Menschenrechte7). Und das bedeutet, dass die vollständige Beseitigung der Kinderarbeit auf Baumwollpantagen nur mit dem Willen der Regierung möglich ist. Die usbekische Regierung hat erste Schritten in diese Richtung eingeleitet, doch sie steht noch am Anfang eines langen Wegs…

  1. Ozodlik A chronicle of forced labour of children and adults []
  2. Ozodlik A chronicle of forced labour of children and adults []
  3. Fergannews Узбекистан: Поле хлопка – поле брани []
  4. Ozodlik Harvest Updates []
  5. Ozodlik We bow to you cotton grower teachers []
  6. Ozodlik Saturday and Sunday all the others who stayed back will go to pick cotton []
  7. Frenzel Markus Baumwolle aus Kinderarbeit []

Über Andreas / EarthLink

Praktikant bei EarthLink, studiert Geschichte mit Schwerpunkt Lateinamerika an der Universität Münster.
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1 Antwort zu Usbekistan: Kinderarbeit auf Baumwollplantagen ist immer noch vorhanden

  1. Leon Vay sagt:

    Mich bewegt dieses Thema sehr da ich farbig bin und meine Freunde manchmal Scherze machen. Dies finde ich gar nicht lustig.

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