Kinderarbeit in der Fleischproduktion

Kenia

Bild: © n.v. -

Das Entsetzen über nicht deklariertes Pferdefleisch im Wurstbrötchen vieler Deutscher ist groß und kann nicht mal von gefälschten Bio-Eiern übertroffen werden. Natürlich ist allein der Betrug an den Verbrauchern einen Skandal wert.1) 2) Doch nicht nur die Etikettierung, sondern die Produktionsbedingung unserer Lebensmittel insgesamt sind es wert, näher betrachtet zu werden.

Die “Food and Agriculture Organization” (FAO) der UNO hat gestern einen Bericht über Kinderarbeit in der Viehzucht veröffentlicht.3) Nach der Studie sind 60% aller Kinderarbeiter in der Landwirtschaft tätig. Der Grund dafür liege vor allem im Zusammenhang von Armut und ländlicher Lebensweise. 880 Millionen Menschen leben auf dem Land von weniger als einem US- Dollar pro Tag, 70% davon sind von der Landwirtschaft, besonders der Viehzucht, abhängig. Viele dieser Familien seien auf die Mithilfe ihrer Kinder bereits ab dem Alter von 4 Jahren angewiesen, da die Anstellung erwachsener Helfer finanziell nicht möglich sei. Zudem gelten Kinder als vertrauenswürdig, sodass sie auch von fremden Viehzüchtern angeworben werden. Einige Kulturen würden es sogar als Verschwendung der Arbeitskraft von Erwachsenen sehen, wenn sie diese mit Aufgaben betrauen würden, die auch Kinder schaffen, wie Tiere hüten. Deshalb komme es auch in einigen Regionen zu Kinderhandel und Zwangsarbeit. Der Großteil dieser Familien betreibt Subsistenzwirtschaft, die Produkte werden für den Eigenbedarf erzeugt oder in kleinen Mengen regional getauscht oder verkauft. Hier empfiehlt der Bericht vor allem eine Verbesserung der Bildungschancen, um den Teufelskreis aus Armut und schlechter Ausbildung zu durchbrechen.4)

Private Unternehmen und Konsumenten seien im Kampf gegen Kinderarbeit in großen Liefer-, Verarbeitungs- und Verkaufsbetrieben tierischer Produkte gefragt. Tierische Produkte, bei deren Produktion Kinder unter 14 Jahre involviert waren, kommen laut der Studie vor allem aus Bolivien, Brasilien, dem Tschad, Lesotho, Äthopien, Mauretanien, Namibia, Paraguay, Uganda und Sambia. In Brasilien, Indien und Ecuador seien Kinder unter gefährlichen Umständen an der Schlachtung beteiligt.5)

Die Letzteren haben auch einen besonders großen Bestand an Vieh. Laut dem Economist sind die meisten Rinder der Welt in Brasilien zu finden, Indien liegt auf Platz zwei. Auch beim Bestand an Schweinen, Schafen und Hühnern sind die Länder, in denen Kinder zur Produktion beitragen, vorne dabei.6) Dabei wird ein großer Teil der Produktion weltweit exportiert, 50% der indischen Produktion sind für das Ausland bestimmt. Das meiste Fleisch geht in die USA und nach Russland.7) Aber auch bei uns kommt einiges an: die EU bezeichnet sich selbst als den größten Importeur von Lebensmitteln. Die sozialen Produktionsbedingungen spielen bei der Einfuhrgenehmigung eher keine Rolle.8) Laut der OECD kommt ein großer Teil der EU Fleischimporte aus Brasilien, wobei der Anteil der Entwicklunsländer an der Fleischproduktion steigt und somit künftig noch mehr Importe aus für Kinderarbeit anfälligen Ländern stammen werden.9)

Die Rückverfolgung der Produkte, die bei uns im Supermarkt stehen, halten einige für „unmöglich“, da der globale Handel jede Spur verwische. Zudem muss bei Fertigprodukten das Ursprungsland der Zutaten nicht angegeben werden.10) Frankreich will eine solche Kennzeichnung nun einführen und sich auch auf EU-Ebene dafür einsetzen.11) Allerdings hatte die WTO schon für ähnliche Initiativen von US-amerikanischen NGO´s entschieden, dass ein solches Vorgehen den freien Markt behindere.12)

Viele Länder führen Lebensmittel ein und aus, da es billiger ist, auf Monokulturen und Mastbetriebe zu setzen, und den Rest einfach aus Ländern mit niedrigen Produktionskosten zu importieren. Ob Menschen oder Tiere oder die Umwelt dafür leiden mussten, ist weniger wichtig als der Preis. Kinderarbeit in der Fleischindustrie wird sich solange lohnen, wie die Nachfrage nach billigem Fleisch weltweit weiter ansteigt und somit die Entwicklungsländer ihre Produktion steigern.

 

  1. „Frankreich deklariert Fleisch-Herkunft“ – wirtschaft.ch – aufgerufen am 26.02.2013 []
  2. “Auf Bio ist sowieso kein Verlass!” – Deutschlandradio Kultur – aufgerufen am 26.02.2013 []
  3. „UN report calls for elimination of child labour in livestock sector“ – UN News Center – aufgerufen am 26.02.2013 []
  4. „Children’s work in the livestock sector: Herding and beyond“ – FAO – aufgerufen am 26.02.2013 []
  5. „Children’s work in the livestock sector: Herding and beyond“ – FAO – aufgerufen am 26.02.2013 []
  6. „Counting chickens“ – The Economist – aufgerufen am 26.02.2013 []
  7. „Livestock und Poultry: World Markets and Trade“ – US- Department of Agriculture – aufgerufen am 26.02.2013 []
  8. „EU import conditions for fresh meat and meat products“ – Europäische Kommsission – aufgerufen am 23.02.2013 []
  9. „OECD/ FAO – Agricultural Outlook 2011- 2020“OECD – aufgerufen am 26.02.2013 []
  10. „Billiges Fleisch ist ein grundsätzliches Problem“ – FAZ – aufgerufen am 26.02.2013  []
  11. „Frankreich deklariert Fleisch-Herkunft“ – wirtscaft.ch – aufgerufen am 26.02.2013 []
  12. „WTO Rules Against Country-of-Origin on Meat in US” – Food safety News – aufgerufen am 25.11.2014 []

Über Katharina / earthlink

Ich studiere im 5. Semester Politik und Recht an der LMU München. In meinem Semesterpraktikum bei earthlink recherchiere ich zu den Themen Kinderarbeit und Drogenpolitik.
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