Tettnang verbietet Grabsteine aus Kinderarbeit

Bild: © n.v. -

Nachdem die Gemeinde Tettnang in Baden- Württemberg sich 2011 verpflichtete, keine Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit zu beschaffen, ging der Gemeinderat jetzt  noch einen Schritt weiter. Die Grünen und der Großteil der Freien Wähler sprachen sich für eine Änderung der Friedhofssatzung aus, um nur noch die Aufstellung von nicht aus ausbeuterischer Kinderarbeit stammenden Grabsteinen auf den örtlichen Friedhöfen zu erlauben. Damit reiht sich die Gemeinde in die Reihe der deutschen Städte wie München oder Frankfurt ein, die auf ihren Friedhöfen nur zertifizierte Grabsteine erlauben.

Die Debatte in Tettnanger Gemeinderat spiegelte die allgemeine Diskussion um den richtigen Umgang mit Kinderarbeit wider. Gegner des Vorhabens führten an, dass die Zertifikate keine absolute Sicherheit böten. Auch wurde behauptet, wenn man ein wirklich reines soziales Gewissen haben will, müsse man noch viel mehr Produkte verbannen. Der örtliche Steinmetz wies auf die günstigen Preise der Steine aus Indien und China hin, welcher für die meisten Kunden entscheidend sei.

Trotzdem konnten sich die Befürworter durchsetzen. Aus gutem Grund, denn mit der Änderung hat Tettnang nicht nur „ein politisches Zeichen“ gesetzt.1) Die Kinder, von deren Arbeit dann Kunden bei uns profitieren, zahlen den Preis mit Schwerstarbeit, gesundheitlichen Schäden und dem Verlust einer besseren Zukunft.2) Sollte das wirklich grundsätzlich erlaubt sein?

Der Aufpreis, den die Tettnanger in Zukunft für ihre Grabsteine bezahlen müssen, kann Kinderarbeit in der Steinindustrie vielleicht nicht ganz verhindern. Betrachtet man aber das größere Bild, trägt dieser Schritt dazu bei, Druck auf die Händler auszuüben und vielleicht auch eine Entwicklung hin zu verantwortlicherem Handeln in allen deutschen Gemeinden anzustoßen. Trauernde in Tettnang jedenfalls werden in Zukunft beim Kauf des steinernen Andenkens an ihre Toten kein schlechtes Gewissen mehr haben.

  1. „Fair gehandelt: Tettnang will nur noch Grabsteine ohne ausbeuterische Kinderarbeit“ – schwäbische.de – aufgerufen am 18.03.2013 []
  2. Grabsteine aus Kinderhand“ – FAZ – aufgerufen am 18.03.2013 []

Über Katharina / earthlink

Ich studiere im 5. Semester Politik und Recht an der LMU München. In meinem Semesterpraktikum bei earthlink recherchiere ich zu den Themen Kinderarbeit und Drogenpolitik.
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