Afghanistan: Gehören Kinderehen bald der Vergangenheit an?

Afghanistan, Hamid Karsai, Präsident, Regierung | Bild: © Paul Morse - Wikimedia Commons

Über die bis heute währende afghanische zu verurteilende „Tradition“, Mädchen im Kindesalter zu verheiraten und die dramatischen Folgen für die Mädchen haben wir bereits berichtet. Auch wenn Präsident Hamid Karzai 2009 das EVAW Law (Elimination of Violence against Women) als gesetzgebendes Dekret erlassen hat, um Kinder und Frauen zu schützen, und Gewalt gegen Frauen zu bestrafen1),  weist Afghanistan weiterhin die verheerendste Statistik über Gewalt gegen Frauen und Mädchen auf.2)

Nachdem im Mai dieses Jahres das EVAW Law dem afghanischen Parlament zur Prüfung vorgelegt wurde, um es als Gesetz zu verabschieden und in der Gesellschaft zu verankern1), wurden einige Anträge zur Stärkung von Frauenrechten mit dem fadenscheinigen Verweis, dass es sich um „unislamische“, der Scharia widersprechende Anträge handeln würde, abgelehnt. Aufgrund dieser dramatischen und bedenklichen Situation hat Human Rights Watch Anfang September Karzai ein Schreiben überreicht, in dem auf die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen von Eheschließungen unter 18 Jahren und von Gewalt gegen Frauen und Mädchen hingewiesen wird. Gleichzeitig wird Karzai aufgefordert, ein besseres öffentliches Bewusstsein über die Leiden, die durch Kinderehen und häusliche Gewalt entstehen, zu schaffen. Des Weiteren soll er sich im letzten Jahr seiner Amtszeit dafür einsetzen, dass die Verabschiedung der bislang gescheiterten Anträge im Parlament vollzogen werden kann. Konkret sollen u.a. ein gesetzliches Mindestalter von 18 Jahren für Eheschließungen festgelegt werden und Spezialeinheiten zur strafrechtlichen Verfolgung von Gewalt gegen Frauen gebildet werden.3)

Eine 2010 veröffentlichte Studie des Gesundheitsministeriums offenbarte die Gefahren für die Mädchen und Frauen wie auch für die Säuglinge im Detail. So waren z.B. 47 % aller Todesfälle bei Frauen im Alter zwischen 20 und 24 auf eine Schwangerschaft zurückzuführen. Eine Studie aus dem Jahr 2006 ergab, dass mehr als 85 % der afghanischen Frauen Opfer von physischer, sexueller oder psychischer Gewalt waren oder Opfer einer Zwangsheirat wurden. Zusätzlich zu den ohnehin schon erschreckenden Folgen für die afghanischen Frauen und Mädchen fallen auch noch Belastungen für die gesamte Gesellschaft an, da überflüssige Ausgaben im Gesundheitswesen entstehen und die wirtschaftliche Produktivität insgesamt leidet.3)

Die afghanische Regierung steht folglich unter Zugzwang. Dies wird auch durch die internationale Staatenwelt verstärkt. So wurden Afghanistan 2012 bei einer Geberkonferenz in Tokio weitere Hilfszahlungen in Höhe von 16 Milliarden Dollar nur unter der Bedingung gewährt, die Durchsetzung das EVAW Law zu forcieren. Auch verglichen mit der übrigen islamischen Welt lässt sich eindeutig feststellen, dass Afghanistan in Sachen Frauenrechten ein Entwicklungsland ist. Selbst Länder wie Saudi-Arabien, Ägypten oder Bangladesch haben mittlerweile gesetzliche Vorgaben zum Schutz von Frauen und Mädchen.3) Bleibt zu hoffen, dass Afghanistan einen ähnlichen Weg einschlagen wird.

 

  1. Medica Mondiale: EVAW Law gefährdet – aufgerufen am 13.09.13 [] []
  2. IRIB World Service: UNO kritisiert Gewalt an Frauen []
  3. Human Rights Watch: Kinderehen und häusliche Gewalt gefährden Fortschritt – aufgerufen am 13.09.13 [] [] []

Über Johannes / earthlink

Ich absolviere derzeit ein zweimonatiges Praktikum bei earthlink. Ansonsten studiere ich den B.A. Staatswissenschaften in Passau.
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