ILO gibt vorläufiges Ergebnis über Kinderarbeit auf usbekischen Baumwollfeldern bekannt

Bild: © n.v. -

Die Baumwollernte in Usbekistan neigte sich in den letzten Wochen immer mehr ihrem Ende zu und die Regierung rühmt sich bereits jetzt mit dem Erfolg knapp dreieinhalb Tonnen des weißen Goldes geerntet zu haben. Damit bleibt das Land auch dieses Jahr der drittgrößte Baumwollexporteur weltweit. Doch zu welchem Preis gelingt es dem Staat solch Milliarden-Gewinne mit der Ernte zu erzielen?1)

Schon seit Jahren wird die jährliche Baumwollernte in Usbekistan als kritisch und das Handeln mit dem wertvollen Agrarprodukt als unmoralisch angesehen, denn das Land ist bekannt für seine systematische Ausbeutung der eigenen Bevölkerung. Jeden Herbst sollen unzählige Pflückerkolonnen, bestehend aus Studenten, Lehrern, Ärzten und Kindern aus ihren alltäglichen Lebensverhältnissen gerissen und auf die Felder zum Arbeiten geschickt werden. Bei einer Verweigerung des Dienstes wird ihnen mit hohen Geldstrafen, Entlassungen und Gefängnisstrafen gedroht.2) Obwohl der Staat aufgrund von internationalem Druck im Jahr 2008 ein Verbot von Kinderarbeit erließ, konnten Journalisten und Reporter immer wieder Aufnahmen und Fotos von arbeitenden Kindern an die westliche Presse weiterleiten. Letztendlich war die internationale Anprangerung so gewaltig, dass sich die Regierung dem Willen der Menschenrechtsorganisationen beugte: Erstmals erlaubte die Führung des Landes der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in das Land einzureisen, um während der Erntezeit die Arbeitsbedingungen auf den Feldern zu überprüfen. Dabei sollte ein besonderes Augenmerk auf die Zustände der Kinder gelegt werden.1)

Nun gab die ILO ihre vorläufigen Ergebnisse der Untersuchungen bekannt: eine systematische Ausbeutung von Kindern existiere in Usbekistan nicht.

Pressesprecher der Organisation verkündeten, dass sie bis Ende des Jahres eine detaillierte Ausführung dieser These veröffentlichen würden.

Die Beaufsichtigungen der ILO begannen am 11. September und endeten am 31. Oktober. Innerhalb dieses Zeitraums wurden die Mitarbeiter der Organisation von 40 Regierungsbeamten begleitet und durch das Land geführt. Insgesamt wurden 806 Farmen und Ausbildungszentren besucht und 1592 Interviews mit Feldarbeitern dokumentiert.

Nichtsdestotrotz ist das vorläufige Ergebnis der Organisation überraschend. Denn auch während der diesjährigen Ernte gelangten unzählige Berichte, Aufnahmen und Fotos von Kinderarbeitern an die internationale Presse.

Die Organisation „Cotton Compain“ engagiert sich bereits seit Jahren im Kampf gegen die Zwangs- und Kinderarbeit in Usbekistan und veröffentlichte vollkommen widersprüchliche Informationen zu dem Bericht der ILO.

„Die Regierung setzte auf den Feldern systematisch Kinder – zwischen 15 und 17 Jahren – sowie Erwachsene im gesamten Land ein. In manchen Gegenden stellten Behörden sogar noch jüngere Kinder ein“, dokumentierte der Bericht. „Zwangs- und Kinderarbeit wurde durch das staatliche Schulsystem geregelt. Bei einer Verweigerung der Arbeit mussten die Kinder einen Schulrauswurf befürchten.“

Laut „Cotton Compain“ entgingen der ILO die dreisten Ausweichmanöver, die die Regierung nutzte,um die Kinderarbeit auf ihren Feldern zu vertuschen. Sie übersahen, dass Kinder gezwungen wurden ein falsches Alter anzunehmen, dass sie bei Kontrollgängen urplötzlich in die Schule geschickt wurden oder dass sie weit abseits in den Feldern arbeiten mussten, damit man sie aus der Ferne nicht sehen konnte.

Die Untersuchungen der ILO galten als ein Hoffnungsschimmer für alle ortsansässigen Menschenrechtsorganisationen. Man erhoffte sich durch den großen internationalen Einfluss der Organisation endlich eine Veränderung.

„Cotton Compain“ zufolge war das Projekt von Beginn an zum Scheitern verurteilt, denn mit einer ständigen Begleitung der Behörden konnte es zu keiner unabhängigen und freien Berichterstattung kommen.

Usbekische Menschenrechtsorganisationen hoffen nun darauf, dass die ILO in ihrem abschließenden Bericht auch andere Informationsquellen berücksichtigen wird, die ohne jegliche staatliche Kontrolle erfasst wurden.3)

  1. nzz: Kampf gegen Kinderarbeit: Zwang auf Usbekistans Baumwollfeldern – aufgerufen am 1012.13 [] []
  2. Aktiv gegen Kinderarbeit: Endlich: ILO darf diesjährige Baumwollernte in Usbekistan  beaufsichtigen – aufgerufen am 11.12.13 []
  3. uzznews: International Labour Organization: Child Labour Is Infrequent And Not Systematic – aufgerufen am 11.12.13 []

Über Franziska / earthlink

Nach 9 wundervollen Monaten bei earthlink, beende ich nun meinen Bundesfreiwilligendienst und werde noch in ein paar weitere soziale Bereiche hineinschnuppern, bis ich Oktober 2014 hoffentlich zu studieren beginne ;-)
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