Kampf gegen Kinderprostitution im Internet: Internationaler Pädophilen-Ring gesprengt

Bild: © n.v. -

2012 begannen die Ermittlungen der „Operation Endeavour“, nun wurde dem Gräuel endlich ein Ende gesetzt: Ein internationaler Pädophilen-Ring hatte auf den Philippinen nicht nur sexuellen Missbrauch von Kindern arrangiert, sondern diesen auch gegen Bezahlung live im Internet übertragen.1)2) 15 Opfer im Alter zwischen 6 und 15 Jahren konnten bislang befreit werden.3) 29 Personen wurden festgenommen, darunter auch 11 Personen, die den Missbrauch organisiert haben sollen. Ingesamt werden mehr als 700 Personen weltweit verdächtigt, Online-Kunden gewesen zu sein. Sie stammen unter anderem aus Deutschland, den USA, Frankreich, Kanada oder Hong Kong.4): „Sie glaubten, dass dafür zu bezahlen, dass Kinder missbraucht werden, etwas ist, mit dem sie einfach davon kommen können“, sagt Andy Barker von der britischen National Crime Agency (NCA). „Tausende Meilen entfernt zu sein macht jedoch keinen Unterschied hinsichtlich ihrer Schuld. In meinen Augen sind sie für den Missbrauch genauso verantwortlich wie die Täter vor Ort.“5)

Ob mit diesem Schlag derartigen Gräuel-Praktiken generell ein Ende gesetzt wurde, ist erschreckenderweise jedoch fraglich: Laut NCA ist der Gebrauch von Webcams um Kindesmissbrauch live zu übertragen insbesondere in den Entwicklungsländern eine erhebliche und zunehmende Gefahr.6) Denn weltweit existiert eine große Anzahl potentieller und vergleichsweise wohlhabender Kunden – eine „Sitzung“ kostete in diesem Fall umgerechnet rund 73 Euro. Zudem verbreiten sich schnelle Internetzugänge immer mehr. Schon 2011 berichteten wir über Kindesmissbrauch via Internet auf den Philippinen. Die extreme Armut, die beispielsweise auf den Philippinen herrscht, erleichtert es den Kinderschänderbanden, Opfer zu finden. Erschreckend deutlich macht dies der Umstand, dass zu den Festgenommenen auch Angehörige der missbrauchten Kinder gehörten:7) So zwang ein Ehepaar ihre drei kleinen Kinder vor laufender Webcam zu sexuellen Handlungen.8) Weltweit sollen in jedem Moment 750.000 Menschen online auf der Suche nach minderjährigen Opfern sein. Mehrere Zehntausend soll es insgesamt geben.9) Weil es offensichtlich diverse Ursachen für diese dramatische Entwicklung gibt, existiert Handlungsbedarf. Einen erstaunlichen Weg wählte die niederländische Organisation Terre des Hommes Ende letzten Jahres: Sie schuf „Sweetie“, ein animiertes 10-jähriges philippinisches Mädchen, das sich in öffentlichen Chatrooms Interessierten gegen Bezahlung zum Webcam-Sex anbot. Innerhalb von knapp zweieinhalb Monaten gingen ihnen so rund 1000 Männer aus 65 Ländern in die Falle, deren Daten sie an die Polizei weitergaben. Die Strafverfolgung  dieser „Kunden“ spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Stattdessen sollte die „Stop Webcam Child Sex Tourism“-Aktion aufzeigen, wie einfach es ist, derartige Dienste in Anspruch zu nehmen – und wie technisch simpel es ist, Täter zu finden und zu belangen.10) Sie forderten: „Wir wollen, dass die Regierungen die Untersuchung derartiger Straftaten verstärken und den Behörden ermöglichen, aktiv öffentliche Internet-Hotspots zu besuchen, an denen der Missbrauch von Kindern Tag für Tag stattfindet. Zurzeit meinen die Täter, dass die Gesetze für sie nicht gelten. Doch das Internet ist zwar frei zugänglich, aber nicht gesetzlos.“9)

Mit der „Operation Endeavour“ scheinen diese Forderungen endlich Gehör gefunden zu haben. Sie weckt die Hoffnung darauf, dass dieses Problem endlich international aufgedeckt und bekämpft wird. Denn dieses Ziel beinhaltet zwingend, auch jene strafrechtlich zu belangen, die diese Angebote in Anspruch nehmen und damit überhaupt erst die Möglichkeit schaffen, dass sich andere am sexuellen Missbrauch von Kindern bereichern können.

  1. The Verge: Police take down pedophile ring that live streamed child abuse []
  2. Spiegel.de:  Sexueller Missbrauch: Polizei sprengt internationalen Pädophilen-Ring []
  3. Guardian: 100 Britons under investigation over Philippines child sexual abuse []
  4. BBC: Philippines web abuse ring smashed in UK-led operation []
  5. Stew Webb: Live online child abuse – 29 international arrests made; nicht mehr verfügabr []
  6. Stew Webb: Live online child abuse 29 international arrests made; nicht mehr verfügbar []
  7. Spiegel.de:  Sexueller Missbrauch: Polizei sprengt internationalen Pädophilen-Ring []
  8. Der Standard: Internationaler Ring von Pädophilen gesprengt []
  9. Terre des Hommes: »Sweetie-Kampagne« zeigt erste Erfolge bei der Strafverfolgung [] []
  10. Terre des Hommes: Stop Webcam Child Sex Tourism []

Über felix / earthlink

Ich bin 24 Jahre alt und studiere Kommunikationswissenschaft und Psychologie an der LMU München. Zum Abschluss dieses Studiums aber vor allem aus fachlichem Interesse sowie zur beruflichen Orientierung bin ich nun Praktikant bei Earthlink.
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