Nicht immer einfach: Kind sein in Simbabwe

Bild: © Harvey Barrison - Wikimedia Commons

Mit nur 11 Jahren verließ Samson seine Heimat in Chiredzi, Simbabwe, um in Südafrika Geld zu verdienen. Samson ist Waise, seine Großmutter kann das Schulgeld für ihn nicht mehr aufbringen. Also entscheidet der 11-jährige zusammen mit drei Freunden zur 130km entfernten Grenze aufzubrechen. Mit ein paar Münzen gelang es ihnen, die Grenze (illegal) zu überqueren. „Als wir in Musina, Südafrika ankamen, wurden wir mit vielen anderen Erwachsenen von einigen Südafrikanern, die uns einen Job versprachen, in einen Bus gesteckt. Der Bus brachte uns zu einigen Farmen im Distrikt Limpopo, wo wir schließlich blieben, um viele verschiedene, zeitlich begrenzte Jobs für sehr wenig Geld zu machen. Wir standen um 3.00Uhr auf, um uns eine Arbeit zu suchen, und kamen nicht vor 20.00Uhr wieder ins Bett.“1) Schließlich beschlossen die vier Jungen, nach Simbabwe zurückzukehren. Sie hatten Glück: Sie überstanden die Reise ohne Überfälle und als sie zu Hause ankamen, wurden sie in ein Programm einer lokalen NGO aufgenommen, das ihnen die Reintegration in die Schule ermöglichte.1)
Nicht alle Kinder haben so viel Glück. Gerade veröffentlichte das Zimbabwe Youth Council in Zusammenarbeit mit UNICEF einen Report über ausbeuterische Handlungen gegenüber Kindern in Simbabwe. Dabei wurde deutlich, wie viele Kinder in dem Land im südlichen Afrika unter Kinderarbeit, -prostitution und Zwangsheiraten leiden.

Gerade in der armen, eher ländlichen Region Chirendzi müssen viele Kinder arbeiten. Die klimatischen Umstände erschweren die Landwirtschaft, Industrien gibt es hier quasi nicht. Oft verlassen, im Gegensatz zum vorher beschrieben Fall, auch Eltern das Land, um in Botsuana oder Südafrika Arbeit zu finden. Die Kinder bleiben in Simbabwe zurück und müssen sich um sich selbst kümmern. Um ihre Geschwister und manchmal auch die Großeltern ernähren zu können, verlassen viele Kinder die Schule, um auf Farmen und Plantagen zu arbeiten. Das widerspricht der simbabwischen Verfassung, nach welcher „der Staat Kinder vor ausbeuterischen Bedingungen schützen muss“. Die Farmer sehen das Ganze nicht als Verstoß: Ihrer Meinung nach arbeiten die Kinder freiwillig. Sie, die Farmer, helfen den Kindern nur, zu überleben.2) Das ist sicherlich nicht ganz falsch, da viele der Kinder auf das Geld angewiesen sind. Die Kinder werden vielleicht nicht zur Arbeit gezwungen, freiwillig schuften die Kinder aber vermutlich nicht: Motivation ist wohl eher die Ausweglosigkeit ihrer Lage.

Doch nicht nur in ländlichen Regionen, auch in den Städten werden viele Kinder ausgebeutet. Dort ist unter anderem Kinderprostitution ein großes Problem. In der Transitstadt Hwange bekommen die Kinder für eine sexuelle Handlung dabei nicht einmal 1$.3) Ein kleiner Erfolg konnte erst kürzlich in Harare, der simbabwischen Hauptstadt, verbucht werden. Dort wurde ein Kinderprostitutionsring gesprengt. Jane Mitton und Ngonidzashe Mbengo wurden Anfang des Monats festgenommen, weil sie Minderjährige zur Prostitution verleitet hatten und das Geld für die Dienste der Kinder kassierten. Zum Verhängnis wurden den beiden zwei Mädchen, die sie innerhalb des letzten Jahres angeworben hatten. Die Mädchen mit 14 und 15 Jahren wurden von Mbengo von der Schule abgeholt und zu Mitton gebracht. Dort wurden ihnen entsprechende Kleider bereitgelegt und die Zimmer gezeigt, die ihnen für ihre Dienste zur Verfügung standen. Das eingenommene Geld ging an Mitton und Mbengo, die dann über die Entlohnung der Mädchen entschieden. So blieb den Mädchen nur ein Bruchteil dessen, was für die Dienste bezahlt wurde. Aufgeflogen ist das Ganze schließlich, als eines der Mädchen sich seinem Lehrer anvertraute. Wie auch die Kinder aus Chirendzi trieb sie die Hoffung auf ein wenig Geld in die Prostitution.4) Ihre Hoffnungen blieben unerfüllt, dafür müssen sie nun mit den Erfahrungen der Kinderprostitution zurechtkommen.

Neben den Formen der Kinderarbeit spiel in Simbabwe auch die Ausbeutung von Kindern in Form von Zwangsheiraten in jungen Jahren eine Rolle. Jedes siebte Mädchen in einem Entwicklungsland wird verheiratet, bevor sie 15 ist.5) Dabei sind die Mädchen physisch und mental noch nicht dafür bereit, die Aufgaben in einem Haushalt und die Verantwortung für eine Familie zu übernehmen. Befragte im Zuge der Erstellung des oben genannten Reports berichteten, dass Kinderehen fast immer mit emotionaler, körperlicher und psychologischer Ausbeutung der Mädchen zusammenhängen.3) Frühe Schwangerschaften bergen Risiken für das Neugeborene, ebenso wie für die junge Mutter. So sterben in Simbabwe mehr Mädchen infolge einer Geburt als aufgrund von Krieg, Tuberkulose und Aids. Wenn Mutter und Kind die Strapazen der Schwangerschaft und Geburt überstehen, sieht sich das Mädchen der Herausforderung des Mutterseins gegenüber. „Mwana ane mwana wake“, sagen die Simbabwer. Ein Kind hat ein eigenes Kind. Und das trifft es sehr genau: Denn die jungen Mütter sind eigentlich selbst noch Kinder.5)

 

Der Bericht zeigt deutlich, wie oft Kinderausbeutung in Simbabwe leider immer noch vorkommt und wie vielfältig die Formen davon sind. Problematisch ist vor allem die Armut vieler Simbabwer, wodurch die Kinder gezwungen werden, zu arbeiten. Prosper Tiringindi, Vorsitzender von Masvingo against Child Labour, sieht die Schuld vor allem bei der Regierung: Diese sei seiner Meinung nach nicht im Stande, die Wirtschaft des Landes am Laufen zu halten.3) Aber auch die Arbeitgeber und im Falle von Kinderehen vor allem die Brautväter und Bräutigame sollten Verantwortung übernehmen. Kinder sollten nicht in die Rolle eines Arbeiters oder einer Ehefrau gesteckt werden. Vielmehr sollte ihnen die Möglichkeit auf Bildung gegeben werden, sodass sie als Erwachsener für die Berufswelt gewappnet sind und der Armut entkommen können.

  1. Newsday.co.zw, 14.05.2014: Multimedia: Zimbabwe’s road to ending child labour; Aufgerufen am 10.04.2014 [] []
  2. The Zimbabwean: Economic migration drives child labour; aufgerufen am 22.03.2018 []
  3. dailynews.co, 30.03.2014: Harmful practices against rampant in Hwange – Report; Aufgerufen am 10.04.2014 [] [] []
  4. AllAfrica.com Zimbabwe: Cops bust child prostitution syndicate; nicht mehr verfügbar []
  5. Herald: The tragedy of child marriages – zuletzt aufgerufen am 03.09.2015 [] []

Über miriam / earthlink

Ich bin 21 Jahre alt und studiere B.Sc. Geographie und B.A. Geographische Entwicklungsforschung Afrikas an der Uni Bayreuth. Im Rahmen eines achtwöchigen Praktikums hier bei Earthlink möchte ich nun erste praktische Erfahrungen im Bereich der Entwicklungspolitik sammeln.
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