Ist das Arbeiten für Kinder unter 14 Jahren in Indien bald verboten?

Bild: © Zatletic - Dreamstime.com

„Sklaverei und Kinderarbeit ist eine von Menschen verursachte Katastrophe. Die Menschen werden mehr und mehr materialistisch und konsumorientierter.“ Das sind die Worte des indischen Bildungs- und Kinderrechtsrechtsaktivisten Kailash Salyarthi, dem am 10. Dezember 2014 der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Malala Yousafzai, eine 17- jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin, wurde ebenfalls aufgrund ihres Einsatzes für die Rechte von Kindern mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.1)

Durch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit entsteht jetzt ein erhöhter Druck auf die von Kinderarbeit betroffenen Ländern – hin zu neuen Gesetzen und Maßnahmen. Vor allem in Indien, einem Land, das für die hohe Anzahl arbeitender Kinder bekannt ist, greift die Regierung diese Problematik erneut auf.
In Indien gibt es ein Gesetz, dass die Kinderarbeit reguliert. Der “Child Labour (Prohibition & Regualtion) Act von 1986 bestimmt wie und wo Kinder arbeiten können. Er verbietet beispielsweise gefährliche Arbeiten in bestimmten Bereichen für Personen unter 14 Jahren. Seit 2006 gelten auch Heimarbeit und Tätigkeiten in Restaurants für unter 14-jährige als rechtswidrig.2)3)

Aktuell treibt der Arbeitsminister Indiens, Bandaru Dattatreya, das Inkrafttreten eines abgeändertes Gesetz voran, in dem ein komplettes Arbeitsverbot für Kinder unter 14 Jahren vorgesehen ist.
Außerdem sollen Arbeitgeber, die Kinder einstellen, eine Geldstrafe bekommen (60 000 indische Rupien, entspricht ca. 780 Euro). Dies gilt auch für Eltern, die Kinder zur Arbeit zwingen (5 000 indische Rupien). Bei wiederholtem Vergehen drohen den Eltern sogar Haftstrafen bis zu einem Jahr.4)

Amnesty International fordert neben der Einführung des Gesetzes weitere Veränderungen: Der Wandel der gesellschaftlichen Ansichten sowie ein hartes Durchgreifen der Regierung müssen mit dem Gesetz einhergehen, um langfristig etwas zu verändern. Der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty, betont, dass das Problem der Kinderarbeit jeden Einzelnen von uns betrifft, und dass die Aufmerksamkeit auf die beiden Friedensnobelpreisträger uns alle dazu anregt, etwas dagegen zu unternehmen.5)

Doch was wird passieren, wenn das Medieninteresse nachlässt und das Thema wieder in den Hintergrund rückt? Wird das Gesetz in Indien durchgesetzt und verbessern auch andere Länder die Lage der Kinder? Im Endeffekt hängt das zum größten Teil von unserem Konsumverhalten ab. Wieviel kann ein Kind in Indien schon verdienen, wenn das T-Shirt, das es genäht hat, hierzulande für nur 3,99 Euro verkauft wird?

  1. morungexpress.com: Apathy biggest bar to ending child slavery: Kailash Satyarthi – nicht mehr aufrufbar 27.03.2015 []
  2. childlineindia.org.in: Child Labour (Prohibition and Regulation) Act 1986 – 12.12.2014 []
  3. aktiv-gegen-kinderarbeit.de: Kinderarbeit in Indien – 12.12.2014 []
  4. economictimes.indiatimes.com: Final law for complete ban child labour soon – 12.12.2014 []
  5. zeenews.india.com: Robust means needed to act against child labour: Amnesty – 12.12.2014 []

Über antonia / earthlink

Nachdem ich im Sommer 2014 mein Abitur gemacht habe, arbeite ich derzeit als Bundesfreiwillige bei earthlink e.V. Im Herbst fange ich mit meinem Humangeografie Studium an. Die Arbeit hier ermöglicht es mir erste Erfahrungen in dem Arbeitsbereich, der mich interessiert, zu sammeln und herauszufinden ob es wirklich das Richtige für mich ist.
Dieser Beitrag wurde unter Internationales, sonstiges abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Ist das Arbeiten für Kinder unter 14 Jahren in Indien bald verboten?

  1. H. Meyer-Hamme sagt:

    Kinderarbeit ist zumeist die notwendige Folge großer Armut. Oft sichert nur das Einkommen der Kinder das Überleben der Familie.
    Ein Verbot der Kinderarbeit allein führt in all diesen Familien zu einer bedrohlichen Verschlechterung. Das darf nicht passieren.
    H.E.L.G.O. e.V. weist Wege auf, wie Kinderarbeitern durch Bildung nachhaltig geholfen werden kann, ohne die Familien zu gefährden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.