Wie viele Sklaven arbeiten für dich?

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Auch wenn der Begriff „Sklavenarbeit“ uns an vergangene, furchtbare Zeiten erinnert und mit unserer heutigen Wirklichkeit anscheinend nichts mehr zu tun hat, Sklaverei ist in der globalen Wirtschaft durchaus präsent. Derzeit ist es für Unternehmen unmöglich komplett sklavenarbeitsfreie Waren herzustellen. Alleine die Nutzung elektronischer Geräte würde mit dem Vorsatz, Ausbeutung auszuschließen, brechen.1)

27 bis 29 Millionen Menschen leben gemäß Schätzungen als Sklaven. 26 Prozent sind Kinder. Sexuelle Versklavung spielt eine große Rolle, noch verbreiteter ist Zwangs-Handarbeit im Privatsektor.2)

Sklaverei zwingt oder drängt Menschen gegen ihren Willen in eine Lebenssituation und stillt damit die Profitgier anderer. Versklavte Kinder und Erwachsene können nicht mehr frei entscheiden, werden als Eigentum behandelt. Sklaverei nimmt Menschen ihre Würde.

Für mich arbeiten 39 Sklaven. Das sagt zumindest mein Ergebnis des Online-Tests von Made in a free World (MIAFW). Durch Angaben über mein Konsumverhalten berechnet der Test die Sklavenarbeit in den von mir genutzten Produkten.

Ich und Sklavenarbeit? „Kann ich doch nichts dafür, wenn profitgeile Unternehmen Ausbeutung unterstützen“, könnte ich meine Verteidigung beginnen. Doch wenn ich diese Unternehmen unterstütze, indem ich ihrem Kundenkreis beitrete, mache ich mich mitverantwortlich. Dann stehe ich vor der Entscheidung: Informiere ich mich und reduziere damit die Anzahl an Unternehmen, bei denen ich guten Gewissens einkaufen kann oder informiere ich mich nicht und führe meinen Lebensstil unbekümmert weiter – frei nach dem Motto: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“.

Fakt ist: Je mehr ich über globale Produktionsketten weiß, desto schwieriger wird es, ein nachhaltiges und sozial verträgliches Leben zu führen, sieht man doch in allen Waren mögliche Ausbeutung oder Verschmutzung. Fakt ist jedoch auch: Verschließe ich mich solchen Informationen, verhindere ich die Chance auf Veränderung – sei sie auch noch so klein.

Nicht jedes Unternehmen fördert Sklavenarbeit bewusst. Hier habe ich als Verbraucher die Möglichkeit, mich Unterschriftenaktionen wie den von MIAFW anzuschließen und für mehr öffentliches Bewusstsein einzutreten. Auf diese Weise entsteht öffentlicher Druck und ein Unternehmen, das Wert auf sein Image legt, wird entsprechende Maßnahmen ergreifen.

MIAFW hat in diesem Zusammenhang eine neue Software auf den Markt gebracht. Mit Hilfe des internationalen Code-Systems UNSPS der UNDP (United Nations Development Programme) soll die Produktionskette auf mögliche Sklavenarbeit untersucht werden. Der meist acht- bis zehnstellige Code lautet beispielsweise für eine CD-Tasche 43201703 und setzt sich wie folgt zusammen:

  • Segment: 43 Informationstechnik
  • Familie: 20 Medien- und Computerzubehör
  • Klasse: 17 Multimedia Speicher
  • Ware: 03 CD Taschen3)

Durch Eingabe eben dieses Codes sollen die Unternehmen auf mögliche Sklavenarbeit aufmerksam gemacht und für die Problematik sensibilisiert werden. Wie genau die Software von MIAFW bei der Risikoberechnung vorgeht (Wie hoch ist das Risiko das Sklavenarbeit aufgetreten ist?), wird auf der Internetseite der US-amerikanischen Organisation nicht ersichtlich. Aus Gründen der Transparenz wäre es wichtig, weitere Informationen zu bekommen wie beispielsweise: „Kann ich durch den Code das Herkunftsland bestimmen?“, „Wie korrekt ist die Berechnung?“. Nur dann kann beurteilt werden, ob die Software im Kampf gegen Sklavenarbeit Schlagkraft entwickeln kann.4)

Das Kapitel Sklavenarbeit wird noch Jahre, Jahrzehnte andauern, bis es beendet werden kann. Gerade Kinder müssen vor ihr bewahrt werden, damit Sklaverei nicht weitergereicht wird. Dabei sollten wir nicht bloß untätig zusehen, sondern für uns entscheiden: Was ist vertretbar? Welchen Beitrag will und kann ich leisten? Diese Fragen muss jeder für sich selbst beantworten. Eine Unterstützung bei der Auswahl von Unternehmen, bei denen ich einkaufe, kann zumindest unsere FIRMENLISTE leisten. Mit mehr Wissen wird Konsum komplizierter, gleichzeitig konsumiere ich dadurch aber auch bewusster und leiste so meinen kleinen Beitrag für weniger Ausbeutung auf der Welt. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“ wird mancher sagen. Im Laufe vergangener Jahre sind Unternehmen jedoch dem Wunsch des Verbrauchers nach mehr Transparenz immer häufiger nachgekommen.

Bis Sklaverei tatsächlich abgeschafft sein wird, ist es noch ein langer, beschwerlicher Weg. Ein Schritt in die richtige Richtung, bleibt aber ein Schritt in die richtige Richtung.

  1. Die Welt: Wie wir mit unserem Konsum Sklaverei unterstützen – Stand: 13.01.15 []
  2. Made in a Free World: Facts about Slavery; nicht mehr verfügbar []
  3. Wikipedia: UNSPSC – Stand: 13.01.15 []
  4. Made in a free World: FRDM – Stand 13.01.15 []

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