Haiti: Kinder ohne Rechte, mit Pflichten

Bild: © U.S. Navy photo by Senior Chief Mass Communication Specialist Spike Call - Wikimedia Commons

Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Rund 78 Prozent der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, wobei ihnen weniger als zwei US Dollar pro Tag zur Verfügung stehen. Unter der extremen Armut leiden insbesondere die Kinder. Keine ausreichende Ernährung, katastrophale hygienische Verhältnisse und verschmutztes Trinkwasser sind Gründe dafür. Jedes dritte Kind ist unterernährt. Aufgrund einer hohen Arbeitslosigkeit, schlechter Einkommensmöglichkeiten und einer unzureichenden Gesundheitsversorgung müssen die meisten haitianischen Familien ums Überleben kämpfen.

Oftmals können sich die Eltern nicht leisten ihre Kinder in die Schule zu schicken. Um genügend Einkommen für die Versorgung der gesamten Familie zu erwirtschaften, werden selbst die Kinder zum Arbeiten gezwungen. Sie müssen im informellen Sektor als Straßenverkäufer, Dienstboten und Zuarbeiter oder als Haussklaven arbeiten. Diese Kinder werden „Restavèks“ genannt. Das kreolische Wort kommt von „rester avec“ und bedeutet „bei jemanden bleiben“.1)

Auf Haiti arbeiten über 300.000 Kinder als Haussklaven. Insbesondere in Wharf Jéremie, einem der ärmsten Slums von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince, leben viele Sklavenkinder. Meist werden sie zu bekannten oder verwandten Familien, die etwas mehr Geld haben, in die Stadt geschickt. Dort müssen sie Hausarbeiten verrichten und nach den Kindern schauen. Im Gegenzug erhalten sie Verpflegung und Unterkunft, wobei damit meist der kalte Steinboden zum Schlafen gemeint ist.
Das Leben in Knechtschaft und Misshandlung von Kindern ist tief in der Tradition und Geschichte des Landes eingebettet. Das Verständnis von Politik und Gesellschaft um jene Grausamkeit abzuschaffen, oder dagegen vorzugehen, fehlt somit komplett. „Ti moun se ti bête“ ist ein kreolischer Ausdruck der dies zum Ausdruck bringt und bedeutet „Kinder sind Tiere“.
Durch den hohen finanziellen Druck der Eltern werden die Kinder nicht nur zur Arbeit gezwungen, sondern oftmals auch zur Adoption freigegeben. Der Kinderhandel wird dadurch ebenso begünstigt. Das Problem hat sich durch das Erdbeben vor fünf Jahren auf Haiti noch verschlimmert. Viele Kinder sind zu Waisen geworden und zahlreiche Familien haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Durch die ansteigende Armutssituation ist die Zahl der Kindersklaven drastisch gestiegen.2)

Im Jahr 2013 machte Haiti minimale Forschritte, um die schlimmsten Formen von Kinderarbeit abzuschaffen. Die Regierung hat diesbezüglich relevante Gesetze dem Haager Übereinkommen angeglichen. Dieses wurde 1993 zum Schutz von Kindern und der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption unterzeichnet. Jene Änderungen beinhalten die Absicht, Kinderhandel bedingt durch Adoptionsverfahren und die schlimmsten Formen von Kinderarbeit abzuschaffen. Die Regierung erweiterte den Zugang zu Bildungseinrichtungen und unterstütze bedürftige Familien durch soziale Programme. Ebenso wurden Schulgelder und Mittagessen für einige Familien im Jahr 2013 bezahlt.
Solange es keine langfristigen Bemühungen zur Abschaffung von Kindersklaven gibt, werden weiterhin zahlreiche Kinder unter schlimmen Bedingungen zum Arbeiten gezwungen.3)

  1. Liportal.giz.de: Haiti – Stand 19.02.2015 []
  2. Fr-online.de: 300.000 Kinder arbeiten als Haussklaven – Stand 19.02.2015 []
  3. Dol.gov: Haiti – Stand 19.02.1990 []

Über Anja / earthlink

Durch mein Studium der Internationalen Entwicklung in Wien, habe ich viel theoretisches Wissen erlernt, welches ich nun durch die praktische Erfahrung bei earthlink erweitern und verfestigen möchte.
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