Das schwere Leben nach der Seuche: Immer mehr Kinderarbeit in Sierra Leone

Bild: © Katie Hunt - Wikimedia Commons

Kinderarbeit hat in Sierra Leone stark zugenommen. Das bestätigte das Ministerium für Sozialhilfe, Geschlechter- und Kinderbelange im südlichen Bezirk des Landes. Die Bekanntgabe des Ministeriums folgte auf den Tod eines siebenjährigen Kindes, dessen Körper in einem Gemeindebrunnen gefunden wurde.

Alieu Francis Finor, ein Mitarbeiter des örtlichen Ministeriums, teilte mit, dass das kleine Mädchen beim Wasserholen verunglückte. Nach Finor ist es ein Verbrechen gegen das nationale Kinderrechtsgesetz, solch kleine Kinder loszuschicken, um Wasser zu holen. Erst Kinder ab 13 Jahren dürfen leichte Arbeiten verrichten. Wie so viele Kinder aus Sierra Leone, stammte auch das ertrunkene Mädchen aus einem mittellosen Haushalt.1)

Laut einer Umfrage ist die Anzahl der Kinderarbeiter in Sierra Leone nach der verheerenden Ebola-Epidemie erheblich gestiegen. Besonders junge Mädchen gaben an, mehr zu arbeiten, als vor dem Ausbruch der Seuche. Typischerweise müssen die jüngeren Kinder mehr Aufgaben zur Unterstützung ihrer Eltern im Haushalt übernehmen, während die älteren vermehrt in Betrieben arbeiten. Die Gründe hierfür sind in der Epidemie zu sehen. Das Einkommen der einzelnen Haushalte ist stark reduziert. Viele Familien haben ihren Hauptverdiener verloren. Den Kindern bleibt oft nichts anderes übrig, als zum Einkommen ihrer Familie beizutragen, oder für sich selbst zu sorgen.

Dass besonders Mädchen von vermehrter Arbeit berichten, hängt mit der verstärkten Nachfrage nach alltäglichen Gebrauchsgütern wie Essen zusammen. In diesem Handelsbereich arbeiten überwiegend Frauen. Während das Land zu Hochzeiten der Epidemie wirtschaftlich abgeriegelt war, waren diese Güter mehr gefragt als solche, die in Gelegenheitsarbeiten eher von Jungen oder Männern produziert wurden. Zweifelsfrei tragen Mädchen nach Ebola in Sierra Leone eine schwerere Last. Neben dem Verkauf von Lebensmitteln haben sie häufig noch die alleinige Verantwortung im Haushalt und müssen die kleineren Geschwister mitversorgen.2)

Der tragische Tod des kleinen Mädchens zeigt, wie bedeutend eine Aufbauhilfe ist, die über die medizinische Notfallversorgung hinausgeht. Auch wenn Ebola besiegt ist, wird die Bevölkerung von Sierra Leone noch lange mit den sozialen Nebenwirkungen zu kämpfen haben.

  1. Politico: Ministry admits to increase in child labour; nicht mehr verfügbar []
  2. Plan-International: Ebola: beyond the health emergency – aufgerufen am 12.5.2015 []

Über Carolin / earthlink

Ich habe in Regensburg mein Studium der Politikwissenschaft abgeschlossen. Jetzt mache ich ein Praktikum bei earthlink, weil ich überzeugt bin, dass Aufklärung der erste Schritt in die richtige Richtung ist.
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