Die Hälfte der Grabsteine in Deutschland stammen aus Kinderarbeit!

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Gibt man auf der Internet-Auktionsseite eBay in das Suchfeld „Grabstein“ ein, erscheinen allein für Deutschland um die 250 Angebote von gebrauchten Grabsteinen. Nun ist eine durchaus berechtigte Frage, ob man überhaupt den Grabstein einer fremden, verstorbenen Person erwerben und anschließend verwenden möchte. Das scheint bei der relativ großen Anzahl von Inseraten der Fall zu sein. Selbstverständlich werden die Steine entsprechend bearbeitet, so dass kaum etwas auf ihre Vorbesitzer schließen lässt, aber dennoch bleibt bei dem Gedanken ein fader Beigeschmack.1)Es gibt allerdings auch eine andere Möglichkeit der Wiederverwertung für Grabsteine: die Verarbeitung zu Material für den Straßenbau, beispielsweise zu Straßenkiesel oder als Material zum Trockenmauerbau.2)

In einem kleinen Dorf in Schweden namens Jönköping ist es beispielsweise seit 30 Jahren üblich, dass nach dem Ablauf der Mietzeit die Grabsteine zu Straßenbelag verarbeitet werden. In Stockholm ist das allerdings verboten, obwohl man sich dadurch ca. zwei Drittel der Kosten für das Rohmaterial sparen könnte.3)
Nicht nur die Gemeinden würden sich durch die Wiederverwendung von Grabsteinen Geld sparen und dies dann anderweitig verwenden. Aber auch für Menschen, die gebrauchte Grabsteine erwerben und diese von einem Steinmetz entsprechend bearbeiten lassen, ist dies eine ökologische und billige Alternative.

Nun stellt sich selbstverständlich die Frage der Pietät. Ist es „geschmacklos“, den Grabstein wieder als solchen zu verwenden oder ihn zu Straßenschotter weiterzuverarbeiten? Diese Frage lässt sich nicht ohne die vollständigen Hintergrundinformationen beantworten.
Im Fall der Grabsteine spielt ihre Herkunft eine große Rolle. Darüber machen sich die allerwenigsten Gedanken. Wie auch, wenn gerade ein geliebter Mensch von ihnen gegangen ist und sie sicherlich mit anderen Gedanken zu kämpfen hat? Deshalb ist die Aufklärung zu jeder Zeit von essentieller Bedeutung.

Um die Hälfte der in Deutschland verkauften Grabsteine stammen aus Kinderarbeit in Indien. Die Kinder arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen: Ohne Schutzkleidung und in der Hitze ackernd, bringen sie tagtäglich ihre Zukunft und ihre Gesundheit in Gefahr. Entweder um sich die Schule zu finanzieren, welche aber auch aufgrund der Arbeitszeiten leidet, oder um ihre verarmten Familien zu unterstützen.4)

Außerdem geht über ein Drittel des Gesamtexportes an Grabsteinen aus Indien nach Deutschland.5)
Also hat Deutschland automatisch eine große Mitverantwortung. Dessen ist man sich allerdings noch nicht ausreichend bewusst.
Das Recycling von Grabmälern ist sowohl schonender für die Umwelt, da man sich Transportwege spart, als auch billiger.6)

 

  1. Bayrischer Rundfunk: Grabsteine wiederverwerten: Kein Marmor für den Straßenbau – aufgerufen am 12.05.2015 []
  2. Waltraud Aberle: Ausgediente Grabsteine neuer Existenz zugeführt – aufgerufen am 12.05.2015 []
  3. Herbert Kårlin: Nachrichten aus Schweden – aufgerufen 12.05.2015 []
  4. Utopia: Meinen Grabstein soll kein Kind geschlagen haben – aufgerufen am 12.05.2015 []
  5. Wikipedia: Grabstein – aufgerufen am 12.05.2015 []
  6. Bayrischer Rundfunk: Grabsteine wiederverwerten: Kein Marmor für den Straßenbau – nicht mehr verfügbar []

Über Cleo / earthlink

Momentan studiere ich im sechsten Semester Politikwissenschaft in München. Durch das Praktikum bei Earthlink erhoffe ich mir eine praktische Abwechslung zum recht theoretischem Studium :)
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