Kinder ackern in den Steinbrüchen Indiens

Bild: © Benjamin Pütter / Misereor -

Dass Kinderarbeit gerade in der Textilindustrie leider sehr üblich ist, scheint keine allzu große Neuheit mehr zu sein. Was einige allerdings durchaus verwundern könnte, ist die Tatsache, dass Steine z.B. in Form unserer heimischen Küchenplatten auch von Kindern abgetragen werden.

Zwar gibt es keine verlässlichen Zahlen bezüglich der Anzahl von arbeitenden Kindern in indischen Steinbrüchen, einzig sicher ist, dass es laut Besuchern bzw. Kontrollen der Fall ist. Und, um es mit den Worten von Professor Dr. Michael von Hauff, der sich unter anderem mit Entwicklungsökonomie beschäftigt1) , zu sagen: „Jedes einzelne Kind, das in einem Steinbruch arbeitet, ist eines zu viel“.2)

Nicht nur die Käufer von Natursteinen müssten eigentlich auf deren Herkunft achten. Es liegt auch in der Verantwortung der Abnehmer (also der Unternehmen) auf eine saubere Zulieferkette zu achten und regelmäßige, unangekündigte Kontrollen durchzuführen. Da der öffentliche Druck und die Aufmerksamkeit hierfür nicht ausreichen, haben sich Vereine wie zum Beispiel Xertifix diese Kontrollen zur Aufgabe gemacht. Sie werden zwei Mal jährlich durchgeführt (eine davon ohne Ankündigung). Außerdem untersuchen sie nicht nur die Bertriebe, sondern sorgen für Transparenz und die Rückverfolgbarkeit des kompletten Liefer- und Herstellungsweges der Natursteine.3)

Marshalls plc. ist ein Beispiel für einen Produzenten von Natursteinen, dessen Ziel es ist, Menschenrechte (vor allem Kinderrechte) zu schützen. Das scheinen sie langsam aber sicher zu erreichen. Der Vertriebsdirektor für Nachhaltigkeit des Unternehmens, Chris Harrop, beschreibt den nun zehnjährigen Weg in die kinderarbeitsfreie Produktion als schwierig. Sie hatten als Firma vor allem mit dem Widerstand von indischen Besitzern von Steinbrüchen zu kämpfen. Gerade wenn sie mit ihnen über „schwierige“ Themen, wie zum Beispiel den Zugang zu Bildung für Kinder und den Mindestlohn sprachen. Das stellt einen problematischen Teufelskreis dar: Viele der arbeitenden Kinder können entweder nicht zur Schule gehen oder sich nur durch die Arbeit eine Schuldbildung leisten. Außerdem werden die Löhne der erwachsenen Arbeiter in den Steinbrüchen durch die billigen Kinderarbeitskräfte gedrückt.4)

Durch die Partnerschaft mit NGOs in Indien und der UNICEF haben alle Interessengruppen dazugelernt. Für das Jahr 2015 sei geplant, unter anderem die indische Regierung zu unterstützen die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, um Kinderarbeit aus der Naturstein-Industrie zu eliminieren. Diese Pläne schließen beispielsweise Programme zum verbesserten Bildungszugang für Kinder in Indien, China und Vietnam, ein.5)

Damit weitere Firmen dem Beispiel folgen, müssen sie sich erst einmal ihrer Verantwortung bewusst werden und wirklich verstehen, was genau diese harte Art von Arbeit für die Gesundheit und Psyche der Kinder bedeutet. Die Arbeitsbedingungen sind grauenvoll: Kinder arbeiten in der Hitze, ohne auch nur einen Ansatz von Schutzkleidung, ganz zu schweigen von der hohen körperlichen Arbeitsbelastung. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist der Staub, der beim Abbau von Steinen entsteht und zu Hautkrankheiten, Allergien, Lungen- und Atemwegserkrankungen führt.4)

Unternehmen arbeiten in aller Regel gewinnorientiert. Das und die Tatsache, dass die Stein-Industrie in Indien sehr unübersichtlich ist, sprich Kontrollen schon allein daran scheitern, dass die Wege der Steine kaum zurückverfolgt werden können, machen eine „saubere“ Produktion von Steinen zu einem Problem.6)

  1. Technische Universität Kaiserslautern: Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und internationale Wirtschaftsbeziehungen; aufgerufen am 05.03.2018 []
  2. Technische Universität Kaiserslautern: Kinderarbeit in Steinbrüchen und Naturstein verarbeitenden Unternehmen – Ihre Einordnung in Sozial- und Umweltstandards – aufgerufen am 08.05.2015 []
  3. XertifiX: Das XertifiX-Siegel – aufgerufen am 08.05.2015 []
  4. SÜDWIND e.V.: Indien: Kinderarbeit in der Steinindustrie – aufgerufen am 08.05.2015 [] []
  5. The Guardian: Children´s rights in the quarrying industry – aufgerufen 08.05.2015 []
  6. Spiegel Online: Kinderarbeit in Indien: Die Spur der Steine – aufgerufen am 08.05.2015 []

Über Cleo / earthlink

Momentan studiere ich im sechsten Semester Politikwissenschaft in München. Durch das Praktikum bei Earthlink erhoffe ich mir eine praktische Abwechslung zum recht theoretischem Studium :)
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