Kinderarbeiter in der ägyptischen Kochgeschirr-Industrie

Bild: © n.v. - Wikimedia Commons

Ägypten hat ein Problem mit Kinderarbeit. Zwischen 6 und 9 Prozent aller ägyptischen Kinder ist von ausbeuterischer Kinderarbeit betroffen. Nicht selten gefährden die Kinder mit ihrer Tätigkeit ihre Gesundheit. Viele haben an den Spätfolgen zu leiden. Ein Beispiel ist die Aluminiumindustrie in Mit Ghamr.

Vor etwa 50 Jahren wurde die von Landwirtschaft beherrschte Region Mit Ghamr zum Zentrum der ägyptischen Aluminium- Kochgeschirr- Industrie. 60 Prozent des in Ägypten hergestellten Kochgeschirrs kommt aus Mit Ghamr. In der Region sind Schätzungen zufolge 40-50.000 Menschen in diesem Industriezweig angestellt. Darunter auch viele Kinder.

Die Bedingungen in den Fabriken sind keineswegs gut. Zwar herrschen dort in der Regel geregelte Arbeitszeiten, in der Regel einen acht Stunden Tag, jedoch gibt es kaum Vorkehrungen um die Gesundheit der Arbeiter zu schützen. Nach einem Arbeitstag glitzern die Gesichter der Angestellten silbern. Das kommt von dem Staub, der überall in der Luft schwebt, und sich auf die Gesichter legt. Die Menschen sind so gut wie nie versichert. Weder für Arbeitsunfälle, noch für ihre Gesundheit.

Den allgegenwärtigen Aluminiumstaub atmen die Arbeiter täglich mindestens acht Stunden am Tag ein. Er legt sich auch auf die Augen. Die Folge sind Probleme mit dem Gewebe der Augen, das ständig gereizt ist. Lungenkrankheiten sind bei der täglichen Belastung vorprogrammiert. Aluminium steht im Verdacht, auch für Krebsarten des zentralen Nervensystems und psychische Krankheiten verantwortlich zu sein.1)

Unter diesen Voraussetzungen arbeiten in Mit Ghamr zahlreiche Minderjährige. Die Kinderarbeit scheint auch von offizieller Seite zumindest geduldet zu werden. Ein Inspektor verteidigt diese Praxis im Hinblick auf die finanzielle Situation der Familien vor Ort. Wenn die Familien Geld benötigten, warum sollten sie nicht ihre Kinder zur Arbeit schicken? Auf diese Weise könne ihre Bildung ebenfalls finanziert werden. Und tatsächlich nehmen die meisten Menschen in der Umgebung die Gesundheitsrisiken auch für ihre Kinder in Kauf.

Die meisten Bewohner der Umgebung haben keine andere Wahl als sich auf die Aluminiumindustrie einzulassen. Ihnen sind zumindest einige der Gefahren bewusst. Allerdings kursieren zahlreiche Aberglauben über Schutzvorkehrungen. Einer besagt zum Beispiel, dass man sich vor dem Staub schützen könne, wenn man Milch und Honig trinke. Auf lange Sicht würden die meisten aber einsehen, dass diese Arbeitsbedingungen ihre Gesundheit gefährden. Viele Arbeiter hören mit etwa 30 Jahren auf, in der Aluminiumindustrie zu arbeiten.2)

Mittlerweile hat die Regierung in Ägypten einen Plan gefasst, der die Kinderarbeit im Land verringern soll. Zusammen mit Maßnahmen zur Senkung der Arbeitslosigkeit, soll der Anteil der arbeitenden Kinder von neun auf vier Prozent gesenkt werden.3)

 

  1. Al- Ex Institut: Alu Falle Arbeitsplatz – zuletzt aufgerufen am 28.08.15 []
  2. SciDevNet: Egypt’s aluminium industry thrives on child labour – zuletzt aufgerufen am 28.08.15 []
  3. Zawya.com: Minister: Egypt aims to lower unemployment rate by 5% – zuletzt aufgerufen am 28.08.15 []

Über Alexander / earthlink

Ich bin Student der Volkskunde/Europäische Ethnologie und absolviere mein Pflichtpraktikum bei Earthlink um einen Einblick in die Arbeit von NGOs zu erhalten. Wichtig ist mir, dass ich schon während dem Praktikum bei der Aufklärung helfen kann.
Dieser Beitrag wurde unter sonstiges abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.