Für den Schimmer im Make-up schuften indische Kinder

Bild: © Samrat35 - Dreamstime

„Das lässt Frauen schöner aussehen“, erklärt die 13-jährige Pushpa, die in einer Mine der indischen Stadt Girdih eine große Schale auf ihrem Kopf balanciert. Währenddessen hackt die achtjährige Lalita auf einen Stein ein, um Glimmer zu gewinnen. Glimmer ist ein glitzerndes Mineral und Inhaltsstoff vieler Kosmetika, die der Haut einen leichten Schimmer verleihen sollen. Seit zwei Jahrzehnten sind die Minen der Stadt im Bundesstaat Jharkhand aus umweltbedingten Belangen geschlossen. Die Regierung wollte zudem die Glimmer-Industrie besser kontrollieren. Das Verbot führte aber nicht zu einem Abbruch des Abbaus: Noch immer schicken verarmte Familien ihre Kinder Tag für Tag zu den Bergwerken, um zu überleben.1)2)

Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind enorm. Hautirritationen, Schnitte durch die scharfen Werkzeuge und Schlangenbisse sind ein alltägliches Risiko für die Kinder – langfristig schädigt der feine Staub die Lungen enorm, was zu Bronchitis, Asthma und anderen Lungenkrankheiten führt. Lalilta Kumari berichtet, dass sie regelmäßig in den Minen arbeitet, seit sie vier Jahre alt ist. Ein anderes Leben kenne sie nicht. Kinderarbeit unter 18 Jahren ist gesetzlich verboten. Da der Großteil der Glimmer-Förderung allerdings illegal und somit im Untergrund abläuft, fehlen Kontrollen und Arbeitsschutz völlig.2)

Der Glimmer wird meist über Kleinhändler an Zulieferer in der ganzen Welt verkauft. 2009 wurde der Pharmariese Merck angeklagt, Glimmer zu beziehen, der von Kindern gefördert wurde. Das Unternehmen beliefert Marken wie L’Oreal und Revlon. Seitdem wurden Schritte eingeleitet, um eine kinderarbeitsfreie Zuliefererkette zu garantieren, so das Unternehmen. Aktivisten bezweifeln das: Durch die Komplexität an Zwischenschritten und der hohen Anzahl an illegalem Abbau sei es nicht möglich, zu garantieren, dass das Mineral aus kinderarbeitsfreien Minen stamme. 86 Prozent der Glimmer-Exporte aus Indien waren im Zeitraum von 2010 bis 2011 unreguliert.3)

Bhuvan Riber, ein Mitarbeiter einer NGO, die gegen Kinderarbeit vorgehen will, fordert, dass sich alle Unternehmen, die Glimmer aus der Region Jharkand beziehen, einer kollektiven Verantwortung stellen. Ein Kilogramm Glimmer bringt den Kindern etwa 5 Rupien – das sind umgerechnet 7 Cent. Auf dem internationalen Markt ist eine solche Menge bis zu 800 Euro wert.2) Lalitas großer Traum ist es, eine Schule zu besuchen.1) Solange die Armut in der Region aber so groß ist, dass ihre Familie ohne ihre Arbeit verhungert, kann sie sich diesen Traum nicht erfüllen.

  1. NDTV: For Some Children in Jharkhand, Toiling in Scrap Mines is All They Know – zuletzt aufgerufen am 15.10.2015 [] []
  2. The Age: India’s Mica Mines: The shameful truth behind mineral make up’s shimmer – zuletzt aufgerufen am 15.10.2015 [] [] []
  3. theguardian: Child labour: mineral make-up boom raises fears over ethical extraction – zuletzt aufgerufen am 15.10.2015 []

Über hannah / earthlink

Hallo da draußen, im Jahr 2015/16 begleit ich earthlink als Bundesfreiwillige. Neben Recherchearbeiten und dem Schreiben von Artikeln gehört auch das Blumengießen zu meinen speziellen Befähigungen. Auf euch als Interessenten, Sympathisanten und Diskutanten von earthlink frei i mi!
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