Tadschikistan: mehr Arbeitsmigranten – mehr Kinderarbeiter

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Offiziell ist Kinderarbeit in Tadschikistan verboten: Das Land hat die internationale Konvention der ILO zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit unterzeichnet und im Jahr 2005 sein eigenes Arbeitsgesetz ins Leben gerufen, um junge Arbeitnehmer weiter zu schützen.1) Seine erfolgreiche Durchsetzung ist jedoch immer noch sehr stockend.

Trotz einiger positiver Entwicklungen bleibt die soziale und wirtschaftliche Lage im Land bis heute sehr problematisch. Dies führt dazu, dass die Mehrheit der arbeitsfähigen tadschikischen Männer zu Arbeitsemigranten wird, die das Land verlassen. Sie wandern vor allem nach Russland aus (heutzutage arbeiten in Russland, legal und illegal, mehr als 900 000 Tadschiken).2) Dieses Phänomen wirkt sich wesentlich auf den Arbeitsmarkt in den Baumwollanbaugebieten in Tadschikistan aus. Es fördert Kinderarbeit als eine leicht verfügbare Lösung für diese Branche, welche dringend Arbeitskräfte benötigt.

Die Mehrheit der tadschikischen Bevölkerung (rund 83 Prozent) sind außerdem auf Gelder, welche von verwandten Arbeitsmigranten geschickt werden, angewiesen. Für sie bilden diese finanziellen Mittel ihre Haupteinnahmequelle.3) Diese Abhängigkeit ist von entscheidender Bedeutung angesichts der Tatsache, dass die Höhe der Unterstützungszahlungen im vergangenen Jahr aufgrund der russischen Wirtschaftskrise zurückging. Es kommt auch nicht selten vor, dass ausgewanderte Arbeitsmigranten ihren Kontakt zur Familie abbrechen. Somit fällt die einzige Einnahmequelle der Familie weg. Dieser Umstand zwingt die Kinder der Familien in Tadschikistan dazu, ihr Geld selbst zu verdienen.

So sind Kinder aus Bauernfamilien an der Baumwollernte und anderen Handarbeiten beteiligt. Während der Erntezeit sind Schulen in ländlichen Gebieten oft geschlossen, und Schüler werden auf die Felder geschickt. Manche lokale Beamte setzen dabei sogar Zwangsmethoden ein: Wenn Schüler sich nicht zur Baumwollernte melden, werden diese in der Benotung bei Prüfungen oder bei der Versorgung mit Schulbüchern benachteiligt. Die Baumwollernte schränkt nicht nur die Bildungsentwicklung der Kinder ein (die die Schule verpassen), sie gefährdet auch ihre Gesundheit, da sie unter schwierigen Bedingungen arbeiten, einschließlich sehr heißem Wetter und schlechter Nahrungs- und Wasserqualität. Zu alledem herrscht noch ein Mangel an notwendigen Arzneimitteln.4)

In den Städten ist die Situation nicht viel besser: Im Jahr 2014 haben etwa 520 000 Kinder und Jugendliche im Alter vom 5 bis 17 Jahren gearbeitet.5) Die Jungs verkaufen Plastiktüten, waschen Autos, helfen auf dem Markt, tragen Karren, usw. Die Mädchen arbeiten als Kellnerinnen, Geschirrspülerin oder Putzfrauen in Cafés. 15 bis 20 Prozent des Personals im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen sind Kinder.

Die Hauptursache für Kinderarbeit in Tadschikistan ist die Armut der Bevölkerung, allerdings tragen Traditionen und die tadschikische Kultur auch ihren Teil dazu bei. Die Gesellschafft vertritt die Meinung, dass die Arbeit dem Kind hilft, eine starke Persönlichkeit zu entwickeln und notwendige Fähigkeiten zu erwerben. Dieser Umstand macht die Aussicht einer baldigen Änderung der Situation sehr unwahrscheinlich.

  1. iwpr: Tajikistan: Slow Progress on Child Labour – zuletzt aufgerufen am 21.10.2015 []
  2. IRIN Asia: Central Asia: Special report on labour migrants in Russia – zuletzt aufgerufen am 21.10.2015 []
  3. Easttime: bolee 80 protsentov naseleniya tadzhikistana zhivut v bednosti – doklad proon; nicht mehr verfügbar []
  4. Eurasianet: Tajikistan: Cotton Harvest Relies Heavily on Child Labor – zuletzt aufgerufen am 21.10.2015 []
  5.   Ministerium für Arbeit und Migration: V Tadjikistane predstavleny resultaty pervogo obsledovanija detskogo truda – zuletzt aufgerufen am 21.10.2015 []
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