Vierte Welt-Kakao-Konferenz: Werden den Worten nun endlich Taten folgen?

Schokolade ist zwar sehr lecker - dahinter verbirgt sich jedoch oft Kinderarbeit und Armut | Bild: © Sonia - L´Exquisit [(CC BY-NC-ND 2.0)] - flickr

Hunderte Variationen von Schokoeiern, Osterhasen aus dunkler, weißer oder Vollmilchschokolade – Vor rund einem Monat war Ostern. Und Schokolade gehört zum Osterfest einfach dazu. Doch das Grundprodukt für die Süßigkeit, Kakao, wird oft zu nicht fairen Bedingungen angebaut. Bittere Armut, Kinderarbeit und ökologische Zerstörung prägen die Kakaoindustrie. Vor allem die Kakaobauern in den Hauptanbauländern Elfenbeinküste, Ghana, Nigeria und Kamerun, von wo 70 Prozent des weltweit angebauten Kakaos stammen, aber auch Staaten in Asien und Lateinamerika sind betroffen.

Mit der Frage, wie man Kakaoproduktion und -handel nachhaltiger und fairer gestalten kann, beschäftigte sich auch die vierte Welt-Kakao-Konferenz, die vom 22. bis 25. April in Berlin stattfand. Die jährliche Konferenz bringt die Hauptakteure aus der gesamten Wertschöpfungskette zusammen. So waren 1.500 Teilnehmer aus 64 Ländern vertreten, von Regierungsvertretern über Schokoladenherstellern bis zu Kakao-Verarbeitern. Auf der Agenda standen insbesondere der Kampf gegen Entwaldung, Kinderarbeit und die niedrigen Löhne in der Kakaoindustrie.1)

So verdient ein Kakaobauer in der Elfenbeinküste im Schnitt nur 45 Cent pro Tag. Das reicht nicht einmal zum Leben und liegt deutlich unter der international definierten Armutsgrenze von 1,25 Dollar.2) Besonders schwer wurden die Bauern von dem Einbruch der Weltmarktpreise für Kakaobohnen Anfang 2017 getroffen. Solche Preisschwankungen sind auf dem Kakaomarkt nicht ungewöhnlich. Da der Kakao die einzige Einnahmequelle für viele Familien darstellt, sind sie für diese jedoch eine Katastrophe. Ihre Einnahmen schwanken stetig und sie besitzen keinerlei Planungssicherheit. Schuld daran sind oft Spekulanten,3) aber auch klimatische Bedingungen wie das Wetterphänomen „El Niño“, welches 2016 einen Großteil der Ernte verdarb und somit die Kakaopreise nach oben trieb. Da die Ernten im Jahr darauf jedoch wieder sehr gut ausfielen, fiel der Preis innerhalb weniger Monate um 45 Prozent.4) Dies entspricht der allgemeinen Entwicklung des Preises für Rohkakao in den letzten vierzig Jahren, der heute inflationsbereinigt circa 40 Prozent unter dem Niveau von 1980 liegt und somit die prekäre Lage vieler Kakaobauern verschärft.

Und trotzdem wird Schokolade immer teurer. Der Gewinn landet jedoch nicht bei den Kakaobauern, sondern bei den Großkonzernen, die für die Vermahlung und den Handel des Kakaos verantwortlich sind und die Schokoladenindustrie beherrschen. Das sind insbesondere die Unternehmen Barry Callebaut, Cargill und Blomme. Während diese rund 35,2 Prozent des Verkaufspreises einer Tafel Schokolade bekommen, landen 44,2 Prozent bei den Supermärkten und nur 6,6 Prozent kommt bei den Kakaobauern an.  (( Make Chocolate Fair: Die bittere Wahrheit über Schokolade; Stand: 24.04.2018 ))

Das niedrige Einkommen der Kakaobauern hat schlimme Konsequenzen. Sie leben nicht nur in Armut, sondern haben auch kein Geld, um wichtige Investitionen zu tätigen (was die Ernteerträge weiter reduziert) oder um Erntehelfer zu bezahlen. Deshalb greifen sie oft auf Kinder zurück. Alleine in der Elfenbeinküste und Ghana müssen 1,6 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen schuften, ein Drittel davon sogar unter besonders schlimmen und ungeeigneten Bedingungen. Dabei müssen sie mit Macheten hantieren, Lasten bis zu 70 Kilogramm tragen, kommen mit Pestiziden in Kontakt und werden geschlagen sowie gedemütigt. Davon tragen die Kinder nicht nur gesundheitliche Probleme wie Rückenschmerzen oder Fieber davon, sondern auch psychische Störungen.5) Statt in die Schule gehen zu können, müssen die Kinder täglich 12 Stunden arbeiten. Und das machen sie nicht freiwillig. Entweder greifen ihre Eltern aus kulturellen Gründen sowie aus Geldnot auf ihren Nachwuchs als unbezahlte Erntehelfer zurück, falls sie eigene Kakaoplantagen besitzen, oder schicken sie zum Arbeiten los, um die Familie ernähren zu können. Oft werden jedoch auch Kinder aus Nachbarländern wie Mali von Menschenhändlern verschleppt und auf den Kakaoplantagen zum Arbeiten gezwungen.6)

In der Abschlussdeklaration der Kakao-Konferenz einigten sich die Teilnehmer auf Empfehlungen, um die Armut sowie die Kinderarbeit in der Kakaoindustrie zu bekämpfen und das Leben der Bauern zu verbessern. Die Deklaration enthält unter anderem Empfehlungen für die Einführung von Richtlinien, um den Bauern ein existenzsicherndes Einkommen zu garantieren, die Umwelt zu schützen und Kinderarbeit zu beenden. Außerdem sollen Kakao-Bauern dazu ermuntert werden, sich selbst zu organisieren, um ihre Marktmacht zu stärken. Ein weiteres Ziel ist eine bessere Rückverfolgbarkeit über die Wertschöpfungskette, ohne dass die Kakaobauern dadurch stärker belastet werden.7)8)

Es gibt jedoch ein zentrales Problem: Es handelt sich wie so oft bei internationalen Abkommen nur um freiwillige Selbstverpflichtungen. Kontroll- und Sanktionsmechanismen fehlen also. Und bereits in der Vergangenheit hat sich deutlich gezeigt, dass dies nicht ausreicht, beispielsweise beim Harkin-Engel Protokoll. Dabei handelt sich um eine freiwillige Vereinbarung zahlreicher Schokoladenhersteller aus dem Jahr 2001, die Kinderarbeit in der Kakaoindustrie zu beenden. Passiert ist seitdem jedoch wenig.9) Außerdem sind die Empfehlungen sehr unkonkret und lassen den Unternehmen und Regierungen viel Spielraum. Konkrete Maßnahmen sind in der Deklaration nicht zu finden. Dazu zählen unter anderem die Forderung der westafrikanischen Länder nach mehr Transparenz bei den Weltmarktpreisen oder der Wunsch einiger Vertreter der Zivilgesellschaft nach der Aufteilung des Risikos, welches durch die schwankende Preisentwicklung entsteht, auf Bauern und Unternehmen zugleich. Letzteres könnte beispielsweise erreicht werden, indem die Unternehmen den Kakaobauern bei einem Preisverfall eine höhere Prämie zahlen. Und auch auf die Einführung eines garantierten Mindestpreises für Kakao, wie er  bereits in der Elfenbeinküste existiert – jedoch in einem nicht ausreichenden Maße – konnten sich die Teilnehmer nicht einigen.10) Allgemein war die Wut auf die Schokoladenunternehmen sowie die Hauptabnehmerländer Europa und USA, welche in den Augen der afrikanischen Länder die Hauptverantwortung tragen, deutlich spürbar.

„Business as usual ist im Kakaosektor eine Option mehr“, sagte der Direktor der internationalen Kakaoorganisation ICCO, Jean-Marc Anga. Es bleibt aber abzuwarten, ob die Kakao-Konferenz wirkliche Veränderungen erzielen konnte oder ob es wieder einmal bei Lippenbekenntnissen bleibt.

 

  1. World Cocoa Conference: The 4th World Cocoa Conference will be held on 22-25 April 2018; Stand: 25.04.2018 []
  2. Make Chocolate Fair: Die bittere Wahrheit über Schokolade; Stand: 24.04.2018 []
  3. Siehe hierzu auch unsere Radiosendung zum Thema Lebensmittelspekulationen. []
  4. Süddeutsche Zeitung: Warum Kakao billig ist- Schokolade aber trotzdem teuer; Stand: 26.04.2018 []
  5. Oro Verde: Kinderarbeit im Kakaosektor; Stand: 26.04.2018 []
  6. Franceinfo: Trafic d´enfants en Côte d´Ivoire. Dans l´enfer des plantations de cacao; Stand: 26.04.2018 []
  7. World Cocoa Conference: Berlin Declaration; Stand: 26.04.2018 []
  8. Der Tagesspiegel: Weltkakaokonferenz. Die Branche verabschiedet eine „Berlin Declaration“; Stand: 26.04.2018 []
  9. Friedel Hütz Adams: Menschenrechte im Anbau von Kakao; Stand: 26.04.2018 []
  10. Deutsche Welle: Weltkakaokonferenz: Niedrige Preise treiben Weltkakaobauern in die Armut; Stand: 26.04.2018 []

Über Veronica / earthlink

Hallo, ich heiße Veronica und studiere im 7. Semester Deutsch-Französische Politikwissenschaft an der Universität Eichstätt-Ingolstadt. Ich interessiere mich sehr für den Bereich Entwicklungszusammenarbeit und freue mich deshalb, mit meinem Praktikum bei earthlink e.V. einen Einblick in die praktische Arbeit einer entwicklungspolitischen NGO bekommen zu können.
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