Indien führt freiwiligen Verhaltenskodex in Textilindustrie ein

Textilfabrik in Asien

Textilfabrik in Asien | Bild: © marissaorton [CC BY-SA 2.0] - Wikimedia Commons

In den Jahren zwischen 2000 und 2016 ist die Kinderarbeit von 246 auf 152 Millionen zurückgegangen, trotzdem ist die Ausbeutung der Minderjährigen enorm hoch. Wegen der herrschenden Armut sind viele Eltern gezwungen, ihre Kinder als zusätzliche Einkommensquellen zu nutzen. Gerade Indien beheimatet 10 Millionen Kinder (im Alter 5-14), die statt in die Schule zu gehen, arbeiten müssen. Dabei spielt Indiens Textilindustrie eine große Rolle als der zweitgrößte Anbieter von Arbeitnehmern, da etwa 51 Millionen Menschen in der Branche tätig sind. Das Ausbeutungssystem in indischen Textilfabriken zeichnet sich durch die schlimmsten Formen von Kinderarbeit aus. Niedrige Bezahlung, Einschüchterung und sexuelle Belästigung sind übliche Arbeitsbedingungen in einer 60 Stunden Woche. Fakt ist, dass Produkte der Sklavenarbeit in wesentlichem Umfang in deutschen Einkaufstüten landen, allein in 2016 wurde ein Exportvolumen von 40 Milliarden Dollar erwirtschaftet.1)2)

Nun will die indische Textilindustrie gegen Kinderarbeit mit einem freiwilligen Verhaltenskodex vorgehen. Der neue Verhaltenskodex wurde von der Southern India Mills ´Association (SIMA) geschaffen und beinhaltet Richtlinien, die den Herstellern helfen sollen, internationale Arbeitsnormen und gesetzliche Anforderungen einzuhalten. Vieles davon ist schon in indischen Gesetzen vorhanden, aber es geht darum zu verstehen, wie Angestellte vom Anfang der Beschäftigung bis zum Ruhestand behandelt werden sollten. Die Textilfabriken müssen Nachtschichten für jugendliche Mädchen verbieten, Personen unter 16 Jahren sollen nicht eingestellt werden, die Arbeitszeiten sollen geregelt und auf neun Stunden minimiert werden. Arbeitgeber müssen den Arbeitnehmern auch die Vereinigungsfreiheit gewähren und wirksame Beschwerdeverfahren schaffen.2)3)

Jedoch kritisierten SOS-Kinderdörfer weltweit den Kodex, da man sich auf die freiwilligen Anstrengungen der indischen Textilunternehmen und ihrer internationalen Abnehmer nicht verlassen kann. Wie Shubha Murti, Leiterin der Hilfsorganisation für die Region Asien, in einer offiziellen Pressemittelung erläutert: „Ein Verhaltenskodex, der die Verhältnisse wirklich ändern wolle, müsse sämtliche Zweige mit einbeziehen, auch die kleinen, informellen Betriebe. Allein in Spinnereien und Baumwoll-Farmen arbeiten laut SOS-Kinderdörfer fast 500.000 Jungen und Mädchen. Der Kodex müsse zudem für Geschlechter- und soziale Gerechtigkeit sorgen und zwingend Beschwerde- und Schutzmechanismen mit einbauen. „Andernfalls bleibt er ein Papiertiger und wirkungslos“.2)4)

Die Hilfsorganisation begrüßt die neusten Forderungen von Gerd Müller (CSU), auch deutsche Unternehmen zu verpflichten, soziale und ökologische Mindeststandards entlang der Lieferkette einzuhalten. Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung droht in einem bisher unveröffentlichten Gesetzesentwurf mit Bußgeldern bis zu fünf Millionen Euro. Im Fall, dass Menschenrechte bei Lieferanten im Ausland nicht durchgesetzt werden, folgt der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen in Deutschland. Für Firmen, die in Deutschland ansässig sind, mit mehr als 250 Beschäftigten und mehr als 40 Millionen Euro Jahresumsatz, bedeutet dies eine strengere Kontrolle der Sicherheit von Fabrikgebäuden vor Ort, ein arbeitsfreundliches Umfeld schaffen, Löhne anzupassen und die zulässige Arbeitszeit einzuhalten. Bis 2020 haben Unternehmen die Möglichkeit sich freiwillig zu beteiligen. Wenn das nicht ausreicht, wird die Bundesregierung gemäß Koalitionsvertrag gesetzlich tätig, da Deutschland für „verbindliche soziale, menschenrechtliche und ökologische Standards in EU-Handels-, -Investitions- und -Wirtschaftspartnerschaftsabkommen“ eintrete.2)5)6) 

Der stellvertretender Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer, Boris Breyer, betont: „Dies sei ein wichtiger Schritt, dem illegalen und menschenverachtenden System Kinderarbeit ein Ende zu setzen. Nun kommt es darauf an, dass dieses richtige Vorhaben des Entwicklungsministers von der Bundesregierung auch entschlossen in die Tat umgesetzt wird.“2)

  1. International Labour Organization: Child labour in India, Stand am 25.2.2019 []
  2. SOS-Kinderdörfer weltweit: Textilindustrie in Indien, Selbstkontrolle gegen Kinderarbeit reicht nicht, Stand am: 25.2.2019 [] [] [] [] []
  3. Al Jazeera: Take teen girls off night shift, Indian factories told, Arikel vom 7.1.2019 []
  4. Fashion United: “Selbstkontrolle reicht nicht”: SOS Kinderdörfer kritisieren indische Textilindustrie, Artikel vom 15.2.2019 []
  5. Handelsblatt: Müller droht der deutschen Wirtschaft mit einem Gesetz für Menschenrechte, Artikel vom 12.2.2019 []
  6. Der Tagesspiegel: Bundesregierung will faire Arbeitsbedingungen notfalls erzwingen, Artikel vom 20.2.2019 []

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