Chia-Samen, Goji Beeren und Quinoa: Wie augenscheinlich gesunde Nahrungsmittel die Gesundheit der Kinder Lateinamerikas ruinieren

Kinder Lateinamerikas und Chinas arbeiten für weltweit begehrte Superfoods: Goji Beeren, Chia-Samen und Quinoa | Bild: © ILO in Asia and the Pacific [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

Die sogenannten Superfoods Goji Beeren, Chia-Samen oder Quinoa erobern seit einigen Jahren die Welt. Da sie reich an Vitaminen und Mineralstoffen sind, wurden sie vor allem in der Fitnessbranche beliebt. Diese meist aus Lateinamerika und China stammenden Nahrungsmittel enthalten jedoch laut Umweltschutzorganisationen oft gesundheitsgefährdende Substanzen, die einen Hinweis auf die Arbeitsbedingungen der Bauern liefern. Problematisch ist auch die weit verbreitete Kinderarbeit in den Ländern Südamerikas, die nun aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Superfoods auf diesen Bereich der Landwirtschaft ausgeweitet wurde.

Laut  der Organisation GLOBAL 2000 konnten auf Goji Beeren aus China bis zu 13 verschiedene Pestizidwirkstoffe nachgewiesen werden. Darüber hinaus wurden auf allen Beeren Rückstände von Blei und Cadmium festgestellt. Viele der gefundenen Substanzen stehen im Verdacht, krebserregend oder fortpflanzungsschädlich zu sein. Viele der gefundenen Wirkstoffe sind in der EU wegen eben diesen gesundheitlichen Gründen nicht mehr zugelassen. Sie können nämlich sogar das Erbgut verändern oder das Kind im Mutterleib schädigen. Doch in den Herkunftsländern hat sich bisher niemand für derartige Regelungen eingesetzt. Gleiche erschreckende Werte wurden in den untersuchten Chia-Samen und dem Quinoa aus Lateinamerika gefunden.1)

Problematisch bei dem Kauf eines dieser Superfoods ist die Tatsache, dass bei vielen Produkten auf der Verpackung keine Angabe zur Herkunft und den Herstellungsbedingungen zu finden ist. Nur selten besteht die Garantie, dass die Lebensmittel nicht aus Kinderhand stammen. Es ist bekannt, dass in vielen Ländern Lateinamerikas Kinderarbeit existiert und sogar geduldet wird. Vor allem durch den weltweiten Boom der Superfoods werden zunehmend Kinder eingesetzt, um die große Nachfrage aus dem Ausland zu befriedigen.2)

Die in den fertigen Produkten nachgewiesenen Pestizidwirkstoffe lassen nur erahnen, welche gesundheitlichen Risiken den Minderjährigen bei ihrer Arbeit drohen. Sie sind am Arbeitsplatz oft nicht mit ausreichender Schutzkleidung ausgestattet und den Giften meist direkt ausgesetzt. Ihre Verdienste liegen fast immer unter dem Existenzminimum und ihre schulischen Leistungen leiden unter der harten Arbeit auf den Feldern.3)

Bolivien ist derzeit der weltweit größte Quinoa-Produzent und exportiert etwa 26.000 Tonnen seiner Gesamtproduktion von etwas mehr als 44.000 Tonnen. Dort ist Kinderarbeit rechtlich erlaubt und viele Kinder wollen freiwillig arbeiten, da sie alle verzweifelt versuchen, ihre Familien zu unterstützen. Trotz des Exportschlagers Quinoa kommt der Reichtum nie bei den Armen an. Vielmehr verstärkt der internationale Handel mit dem Nahrungsmittel die schlechte sozioökonomische Lage: Denn mittlerweile werden fast 50 Prozent der Produktion ins Ausland geliefert, wodurch die Preise auf dem inländischen Markt ansteigen. Das ursprüngliche Grundnahrungsmittel ist für die ärmsten Bevölkerungsschichten Boliviens nicht mehr bezahlbar. Deshalb wird in armen Familien jede finanzielle Unterstützung benötigt – auch die der Kinder.4)5)

Während die Einen mithilfe von Chia-Samen, Goji Beeren oder Quinoa ein sportliches und gesundes Dasein erreichen möchten, riskieren Andere – darunter Kinder Lateinamerikas und auch Chinas – dafür auf den Feldern ihre Gesundheit. Dabei bietet sogar Deutschland heimische Alternativen zum importierten Superfood.

  1. Heilpraxis, Superfoods im Test: Gesundheitsgefährdende Substanzen in Chia-Samen und Co – Artikel vom 10.09.2017 []
  2. Der Standard, Gar nicht super: Superfoods als Pestizid-Cocktail – Artikel vom 05.09.2017 []
  3. Ernährungsberatung, Superfoods – unter Nachhaltigkeitsaspekten kritisch zu werten – Artikel vom 28.06.2018 []
  4. Global Voices, Die Quinoa – ein Welterfolg auf Kosten der Bauern in den Anden – Artikel vom 03.09.2014 []
  5. stern, In diesem Land ist Kinderarbeit erlaubt – eine Gewerkschafterin hat dafür gekämpft – Artikel vom 10.11.2017 []

Über Ananya / earthlink

Ich heiße Ananya, bin 20 Jahre alt und studiere Politikwissenschaft an der LMU. Mir liegen unsere Umwelt und die Schicksale anderer Menschen sehr am Herzen. Deswegen möchte ich hier bei earthlink e.V. einen kleinen Teil zur Verbesserung der Welt beitragen.
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