Jemen: Konflikt lässt den Einsatz von Kindersoldaten in die Höhe schießen

Kinder in Sanaa, der Hauptstadt Jemens

Kinder in Sanaa, der Hauptstadt Jemens | Bild: © Water alternatives [CC BY-NC 2.0] - flickr

Konflikte und Krisen im Nahen Osten und in Nordafrika haben zu einem Anstieg der Kinderarbeit in der gesamten Region geführt, einschließlich der Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten und anderen unerlaubten Aktivitäten. Jemen gehört zu einem der vielen Länder auf der Welt, in dem Kinder Leid erfahren müssen. Der Grund dafür liegt beim langjährigen Bürgerkrieg, der einst aus einem internen Disput entstanden ist. Die Auswirkungen der jüngsten politischen Turbulenzen und Konflikte verschärften das bereits bestehende Niveau der Kinderarbeit und  machten einen Großteil der Fortschritte der arabischen Länder bei der Bekämpfung der Kinderarbeit durch politische Entwicklung und praktische Maßnahmen rückgängig. Der Konflikt hat Frauen und Kinder in der Region überproportional stark getroffen. „Heute ist es fair zu sagen, dass der Jemen einer der schlimmsten Orte auf der Erde ist, an dem man Kind sein könnte. „Der Krieg im Jemen ist leider ein Krieg gegen Kinder“, sagte der UNICEF-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika, Geert Cappelaere. Flüchtlinge und vertriebene Kinder arbeiten in verschiedenen Tätigkeitsbereichen, mit einem bemerkenswerten Anstieg der Straßenarbeit, der Schuldknechtschaft, der frühen Ehen und der kommerziellen sexuellen Ausbeutung. Kinderarbeit unter Flüchtlingen und vertriebenen Kindern ist vor allem ein Bewältigungsmechanismus für ihre Familien, die in extremer Armut leben oder in denen Erwachsene arbeitslos sind.1)2)

Mehr als die Hälfte der Schulen im Jemen sind durch Konflikte beschädigt oder werden als Kampfplätze, Haftanstalten und Waffendepots genutzt. Die Regierung ist nicht in der Lage, Gehälter des öffentlichen Dienstes zu zahlen, was dazu führt, dass Lehrer streiken. Außerdem ist dies eine Ergänzung zur Wirtschaftskrise, die die großen städtischen Zentren betrifft, die keinen Strom und Zugang zu Wasser haben. Dadurch sind zahlreiche Haushalte gezwungen Wasser von mobilen Wasserspendern zu kaufen. Oxfam führte Ende 2018 zu diesem Thema Umfragen im Süden Jemens (Taiz) durch, bei welchen sich zeigte, dass sich zwei Drittel aller Befragten verschuldet hatten, um Medikamente, Lebensmittel oder Wasser zu kaufen. 89 Prozent mussten die Zahl ihrer Mahlzeiten reduzieren und mehr als die Hälfte mussten sich bereits Essen von Freunden oder Verwandten leihen. In armen Stadtvierteln werden feste Wasserspender aufgestellt, dabei werden Kinder geschickt, um Wasser für den Haushalt zu holen. Diese Art von Arbeit, die normalerweise in ländlichen Gebieten zu finden ist, wird heute in städtischen Gebieten beobachtet. Es handelt sich dabei um Langstrecken, das Gehen durch gefährliche Gebiete und das Tragen schwerer Lasten.1)2)

Menschen, die Kleinunternehmen besitzen oder in ihnen arbeiten, haben ihre Haupteinnahmequelle durch die Konflikte verloren, was die Familien dazu veranlasst, ihre Kinder in einem früheren Alter zur Arbeit zu schicken, und die Unternehmen dazu veranlasst, billigere Arbeitskräfte zu suchen. Mädchen werden aufgrund von extremer Armut und Binnenvertreibung zu einer frühen Ehe gezwungen. Die Eltern zweier junger Mädchen verheirateten beide ihrer Kinder – die eine mit neun Jahren und eine mit erst drei Jahren. Ihrer neunjährigen Tochter wird Bildung verwehrt und ihre dreijährige Tochter wird verheiratet aufwachsen. Doch das Geld, das sie durch die beiden Heiraten bekamen, konnten sie für Nahrung und eine Unterkunft ausgeben.1)2)

Noch beunruhigender ist die von den Vereinten Nationen dokumentierte „fünffache Zunahme der Fälle von Rekrutierung und der Einsatz von Kindern durch bewaffnete Gruppen“, trotz der Herausforderungen bei der Dokumentation solcher Fälle. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen meldete für den Zeitraum von Januar bis Dezember 2015 alarmierende 762 verifizierte Fälle von Kinderrekrutierung. Insgesamt 1 702 Fälle von Kinderrekrutierung und –gebrauch wurden von der UNICEF geleiteten Country Task Force of Monitoring and Reporting zwischen März 2015 und Juni 2017 dokumentiert, von denen 100 jünger als 15 Jahre alt waren. Der nationale Koordinator der ILO in Jemen stellte fest, dass bewaffnete Gruppen bereits im Jahr 2011, zeitgleich mit Beginn des arabischen Frühlings, mit der Rekrutierung von vermutlich Tausenden von Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren begonnen hatten. Im Jahr 2013 verabschiedete die Regierung einen Aktionsplan zur Beendigung der Kinderrekrutierung und zur Entlassung von Kindern aus bewaffneten Gruppen. Der Aktionsplan wurde jedoch aufgrund des anhaltenden Konflikts und mangelnder Finanzierung und Nachbereitung nie umgesetzt. Der ILO Koordinator ist auch der Ansicht, dass die Kinderrekrutierung im Jemen nicht nur von der lokalen Stammeskultur, sondern vor allem von der wirtschaftlichen Notwendigkeit bestimmt wird. Kindersoldaten (sowie erwachsene Soldaten) erhalten das Äquivalent des offiziellen Mindestlohns. Obwohl diese Entlohnung niedrig und nicht an die Inflation angepasst ist, bietet sie eine stabile Einnahmequelle. Außerdem bedeutet der Besitzt einer Schusswaffe die Möglichkeit, diese später auch verkaufen zu können, um sich eine Ehe zu finanzieren oder sonstiges. Es besteht die dringende und unmittelbare Notwendigkeit, Kinder im arabischen Raum zu schützen, um ihnen die Möglichkeit zu geben diesem Teufelskreis auszuweichen.1)2)

 

 

  1. International Labour Organisation: Child Labour in the Arab Region, Stand am 26.3.2019 [] [] [] []
  2. International Labour Organisation: Conflict and mass displacement increase child labour, Artikel vom 20.3.2019 [] [] [] []

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