Teppiche aus Kinderhand

Kind Teppich Kinderarbeiter

Bild: © United Nations Photo [CC BY-NC-ND 2.0] - flickr

„Keine Kinderarbeit“: Ein Label, dass ganz eindeutig beschreibt, was drinnen ist – oder zumindest sein sollte. Was jedoch, wenn man auf dieses Label nicht zählen kann?

Anbieter wie XXXLutz oder Kibek verkaufen Teppiche mit solchen Labels: “no child labour used”. Im letzten Jahr deckte jedoch das ARD-Magazin Plusminus auf, dass man bei Kauf eines solchen Teppichs vorsichtig sein sollte.

Die Reportage führte nach Indien. 90 Prozent aller indischen Teppiche für den Weltmarkt werden in Agra produziert. Dort wird Plusminus fündig. In der Nähe von Agra finden die Reporter im ersten Haus Kinder vor, die Teppiche knüpfen und nicht die Schule besuchen. Im ganzen Dorf finden sich immer wieder Kinder, die nicht zur Schule gehen, sondern arbeiten müssen, um Geld zu verdienen.

Benjamin Pütter, ein Experte, der gegen Kinderarbeit vorgeht und die Reporter begleitet, sagt zu der Kinderarbeit in Indien:  „Wir sind hier in der Nähe des Taj Mahals, wo alle Touristen hingehen, und mir ist zum Heulen, weil ich lauter Kinder sehe, die hier arbeiten müssen, die lauter Teppiche herstellen. Ich arbeite fast Jahrzehnte gegen Kinderarbeit in der Teppichindustrie. Sie war extrem stark in den Neunziger Jahren. Ging fast auf null zurück in den Zweitausender Jahren und jetzt ist sie wieder da.“

Viele Aussagen von Exporteuren wirken ernüchternd: „Das Arbeitsministerium gibt sein Bestes. Aber niemand kann Kinderarbeit zu 100 Prozent ausschließen“ oder „Es gibt so viel Armut in Indien. Teilweise ist die Definition von Kinderarbeit aus meiner Sicht ungerecht. Nehmen wir zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter. Da muss ein Kind die Familie unterstützen. Es ist schwer in Indien eine Familie zu ernähren.“ Zu dem Etikett sagte einer: „Wir kleben es einfach auf den Teppich. Kein Problem.“1)2)

Labels sind zunächst eine gute Orientierung. Problematisch wird die Situation jedoch, wenn man sich nicht mehr sicher sein kann, ob das was drauf steht, auch enthalten ist. Man sollte deswegen jedoch nicht auf Teppiche ohne jegliches Label zurückgreifen, sondern sich trotz mancher Skandale an Siegel halten. Solche Siegel könnten das Goodweave-Siegel sein oder das STEP-Label. Beide sind unabhängig von der Industrie, führen unangekündigte Kontrollen durch und verlangen von ihren Mitgliedern eine Offenlegung der Lieferkette.

Das Goodweave-Siegel, das gegen missbräuchliche Kinderarbeit vorgeht, findet man, wenn man vor dem Kauf die Teppichrückseite betrachtet. Die Internetseite von STEP führt eine Teppichauswahl, die für den Konsumenten interessant ist.3)4)

Auch wenn manche Labels ihren Auftrag nicht erfüllen, sollte man nicht ganz auf ihre Konsultierung verzichten.

  1. stern.de: Warum viele Orient-Teppiche ein großes Problem sind; 25.10.2018 []
  2. das erste: Produktionsbedingungen bei handgeknüpften Teppichen aus Indien; 24.10.2019 []
  3. das erste: Auf diese Siegel können Sie beim Kauf von Teppichen achten; zuletzt aufgerufen am 25.3.2019 []
  4. step: das Label für fairen Handel mit handgefertigten Teppichen; zuletzt aufgerufen am 25.3.2019 []

Über Jacqueline / earthlink

Hi, ich bin Jacqueline und studiere Politikwissenschaft an der LMU München. Ich interessiere mich für internationale Politik und besonders die Auswirkungen unseres Handelns auf den Rest der Welt sind für mich spannend.
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