C&A

Unternehmenspolitik gegen Kinderarbeit
Kontrollen der Produktionsstätten
Vorwürfe bzgl. Kinderarbeit
Für "Aktiv gegen Kinderarbeit" relevante Produkte oder Vorprodukte:
Baumwolle - Baumwollsaatgut - Schuhe - Textilien -

Produktionsorte

Woher kommen die Produkte, Vorprodukte oder Rohstoffe bzw. wo wird produziert?

  • Laut eigenen Aussagen bezieht C&A seine Waren von Zulieferern aus 40 Ländern weltweit, die wiederum in 60 Märkten produzieren lassen. Aus China werden 30% der Waren bezogen, auf Bangladesch entfallen 25%, Indien ist mit knapp 8% das drittgrößte Produktionsland. Der Rest entfällt auf Länder wie Rumänien, Pakistan, Sri Lanka, Vietnam, Kambodscha, Indonesien und die Türkei.1)
  • C&A arbeitete im Jahr 2011 mit 785 Lieferanten zusammen.1)
  • Seit Oktober 2011 beteiligt sich C&A an einem Boykott für Baumwolle aus Usbekistan, welche für Kinderarbeit bekannt ist.2) Da die Baumwolle jedoch in andere Länder (Bsp. Bangladesh) weiterverkauft werden kann, ist nicht endgültig auszuschließen, dass Baumwolle aus Kinderarbeit nicht zurück in die Produktionskette gelangt.3) 4) 1)
  • Als Mindestarbeitsalter schreibt C&A 14 Jahre vor.5)
  • Die Forderungen im Verhaltenskodex von 1998 beziehen sich nicht nur auf die Produktion von C&A, sondern auch auf die Produktion für Dritte. Als Sanktion bei Nichteinhaltung der Bedingungen im Code of Conduct droht C&A mit dem Abbruch von Geschäftsbeziehungen.6)

Kontrollen

Wie wird die Einhaltung der Unternehmenspolitik oder Richtlinien kontrolliert?

  • Die Einhaltung des Verhaltenskodex kontrolliert die Auditgesellschaft SOCAM (Service Organisation for Compliance Audit Management) jährlich in rund 1.800 Produktionsstätten weltweit. Diese Kontrollinstanz wurde im Jahr 1996 von C&A gegründet, ihre Arbeit basiert auf dem C&A-Verhaltenskodex. (( C&A: Sustainability ))
  • Laut Auskunft von C&A kontrolliert SOCAM nicht nur die firmeneigenen Produktionsbedingungen, sondern auch die ihrer Zulieferer und Sublieferanten. Die Kontrollen geschehen zumeist unangekündigt.1)
  • C&A macht die Ergebnisse in seinem CSR-Report von 2012 transparent: Im Jahr 2011 wurden 1.724 Kontrollen in 25 Ländern durchgeführt. Dabei wurden rund 73% der für C&A arbeitenden Betriebe überprüft.1)
  • Obwohl sich SOCAM selbst als operativ unabhängig von C&A bezeichnet, wird SOCAM von der Familie Brennickmeyer finanziert. Die Clean Clothes Campaign kritisiert SOCAM, da es eher ein internes Kontrollsystem als eine externe Überwachungsstelle darstelle. Der Grund hierfür ist, dass die von SOCAM verfassten Berichte nicht öffentlich zugänglich sind, sondern ausschließlich an C&A berichten. Kritikern zufolge liege insofern die Vermutung nahe, dass SOCAM eher Teil einer bewusst geplanten PR-Strategie sei.7)

Vorwürfe

Gibt es Vorwürfe zu Kinderarbeit?

  • Im Jahr 1996 erhob das India Committee for the Netherlands in einem Bericht Vorwürfe gegenüber C&A, dass diese in ihren Produktionsstätten in Tirupur, im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, Kinder produzieren ließen.8)7) Die Vorwürfe beziehen sich auf die Recherchen zweier britischer Journalisten, die über die Kinderarbeit in Tirupur berichteten.9)
  • Im September 2010 veröffentlichten die niederländische SOMO Forschungsgesellschaft für multinationale Unternehmen gemeinsam mit den Indien Komittee der Niederlande einen Bericht über die Zustände in den Textilfabriken im indischen Bundesstaat Tamil Nadu.10) Die Vorwürfe reichen von gesundheitsgefährdender Arbeit, sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen, arbeitsrechtlichen Verstößen bis hin zu Kinderarbeit. Laut Aussage einer indischen NGO seien allein im Jahr 2010 von den Behörden 56 Kinder unter 14 Jahren in der Fabrik entdeckt worden.11) Ferner berichtet De Volkskrant von 9.000 gefangen gehaltenen Arbeiterinnen, die nach dem Sumangali-Prinzip arbeiteten. Sie bekommen ein Viertel ihres Lohns als „Grundersparnisse“ erst nach drei Jahren ausgezahlt.
  • In der Nachfolge-Studie der SOMO und der ICN vom April 2012 wird C&A als Abnehmer von Ware von SSM India identifiziert. Im Zuge der Studie sprachen die Forscher unter anderem mit einem 13-jährigen Mädchen, das angab bereits seit ihrem 12. Lebensjahr in der Fabrik zu arbeiten. Die Arbeiter werden meist unter dem Sumangali-Prinzip eingestellt12) .

Reaktionen

Wie reagierte oder reagiert das Unternehmen auf Vorwürfe?

  • Seit 1999 kooperiert C&A mit Terre des Hommes: einerseits durch Unterstützung von Schul- und Ausbildungsprojekten an Textilstandorten durch firmeneigene Strukturen, andererseits durch die Unterstützung der Organisation für das Berufsschulzentrum für insgesamt 9.000 ehemalige Kinderarbeiter in Tirupur, Indien. (( C&A: Sustainability ))
  • Laut Auskunft von Terre des Hommes 2005 unterstützte C&A das Zentrum in Tirupur finanziell mit insgesamt 500.000 Euro. Dort haben bislang über 800 Kinder und Jugendliche eine Ausbildung absolviert, die vorher die Schule abgebrochen hatten um arbeiten zu gehen. Heute sind über 80 Prozent der Absolventen selbständig, haben einen besser bezahlten und sicheren Job oder besuchen weiterführende Schulen.13)
  • Im August 2005 schrieb C&A auf der eigenen Firmenwebsite: „Wir müssen erkennen, dass die tatsächlichen Produktionsbedingungen nicht immer und überall überwacht werden können (…) [und] die Möglichkeiten der Einflussnahme manchmal begrenzt sind.“14)
  • C&A gab nach der Captured in Cotton-Studie drei Erklärungen ab: zunächst gab C&A bekannt, dass sie dachten nicht mit der Textilfabrik KPR Mill zu kooperieren, sondern mit einer der Firma Quantum Knits. Erst kürzlich hätten sie herausgefunden, dass dies eine 100%-ige Tochterfirma der KPR Mill sei. Die Geschäftsbeziehungen mit der KPR Mill seien bereits 2007 eingestellt worden, nachdem bekannt wurde, dass dort das Sumangali-Schema üblich sei. In einer zweiten Erklärung wies C&A darauf hin, dass die KPR Mill lediglich eine Testlieferung mit 30 Artikeln von der KPR Mill produziert habe. Eine Bestellung mit 58.000 Männerpullovern sei storniert worden. Schließlich gab C&A telefonisch bekannt, dass die erste Erklärung fehlerhaft gewesen sei und C&A nie Bestellungen bei KPR Mill aufgegeben habe.15) 16) 17)
  • Als Reaktion auf die Maid in India-Studie gab C&A an, dass man zusammen mit ihrem Zulieferer SSM eine Strategie entwickeln wolle, die Sumangali-Problematik anzugehen. Sumangali passiere in den Spinnereien, zu diesen habe C&A aber keine Vertragsbeziehungen und könne deswegen auch nicht kontrollieren18) . Es wurde ausgehandelt, dass Sumeru Knits, Zulieferer von SSM, künftig alle seine Zulieferer offenlegt und sich aus allen Spinnereien zurückzieht, die sich des Sumangali-Prinzips bedienen. Desweiteren verweist C&A auf sein Engagement  zusammen mit Terre des Hommes: Das Projekt, das durch die C&A Foundation komplett finanziert wird, hat bereits 1400 ehemaligen Sumangali-Arbeiterinnen eine Schulausbildung ermöglicht19) .

Soziales Engagement

Engagiert sich das Unternehmen herausragend um ausbeuterischer Kinderarbeit entgegen zu wirken?

  • Die C&A Foundation unterstützt in den Herstellerländern viele unterschiedliche Projekte, unter anderem Schulbau- oder Berufsausbildungs-Projekte.
  • Ein wichtiges Projekt ist die Zusammenarbeit mit terre des hommes in Tirupur, wo ehemaligen Sumangali-Arbeiterinnen eine Schulausbildung ermöglicht wird.1)

 

Bemerkenswertes

  • Im Update von SOMO zur Maid In India-Studie erscheint C&A als eine der wenigen Marken, die auf die Sumangali-Problematik reagiert und auch konkrete Maßnahmen, wie die Erweiterung der Kontrollen verfolgt20) . Trotzdem bleibt es kritisch zu sehen, wieso C&A nach der ersten SOMO/ ICN-Studie weiter bei SSM Ware geordert hat. Dort wurde bereits angemerkt, dass Sumangali auch bei SSM bzw. deren Zulieferern praktiziert wird.

Alle Angaben nach unserem Wissensstand vom 29.08.2012

Quellen

  1. C&A: Sustainability [] [] [] [] [] []
  2. Deutschlandradio: Weißes Gold aus Kinderhand (19.11.2011) []
  3. C&A schreibt hierzu im CSR-Report 2010, S. 79: „C&A hat alle Lieferanten verpflichtet, keine Baumwollstoffe aus derartiger Baumwolle zu beziehen. Dieses ist ein schwierig zu kontrollierender Bereich, zumal wir keine direkten vertraglichen Möglichkeiten des Durchgriffs auf die textilen Vorstufen haben. Dennoch haben wir ein Konzept des Nachweises erarbeitet, das es uns ermöglicht, diesem Verbot weitgehend Geltung zu verschaffen.“ []
  4. Umida Niyazova, Leiterin des Usbekisch-Deutschen Forums für Menschenrechte in Berlin sagte dazu gegenüber Deutschlandradio: „Bislang hatte das [der Boykott, Anm. d. Redaktion] keine Auswirkungen auf den Verkauf der usbekischen Baumwolle. Usbekistan verkauft nun einfach mehr nach Asien, an Bangladesch, Indien, Pakistan und China. Schwierig ist, dass die meisten der 60 boykottierenden Unternehmen ihre Fabriken in genau jenen Ländern haben, weshalb sich kaum bestimmen lässt, aus welcher Baumwolle ihre Kleidung hergestellt wurde.“)

Unternehmenspolitik

Wie ist die allgemeine Unternehmenspolitik bezüglich Kinderarbeit?